Tafelente

Die Tafelente

Text: DR. MANFRED TEMME

Aythya ferina

Die Tafelente ist mittlerweile eine häufig anzutreffende Tauchentenart in Südportugal. Zuerst erschien sie nur als Wintergast. Nun rastet sie ganzjährig auf Seen und künstlichen Teichen, die auch Brackwasser enthalten können

Früher waren in Portugal lediglich in der Umgebung von Lissabon einige Brutvorkommen der Tafelente bekannt. Noch vor wenigen Jahren waren Fachleute sich nicht sicher, ob diese hübsche Tauchentenart (engl.: pochard, port.: zarro) auch im Bereich der Algarve brütet.

Die Tafelente kann, falls nötig, beim Tauchen nach Nahrung Tiefen von mehreren Metern erreichen

Zwar wurden über viele Jahre hinweg, vor allem zur Winterzeit, größere Trupps rastender Tafelenten in den Brackwasser- und Marschbereichen des Schutzgebietes Ria Formosa ­ bis hin nach Faro ­ gesehen. Einzelne Vögel kamen auch ganzjährig im westlichen Teil des Schutzgebietes Quinta do Lago zur Beobachtung. Ein Brutnachweis für die Algarve lag jedoch zunächst nicht vor. Mittlerweile kann die Frage positiv beantwortet werden: Im Feuchtgebiet Lagoa dos Salgados, östlich von Armação de Pêra, wurde für das Jahr 2001 von rund 10 Brutpaaren ausgegangen. Die Brutplätze liegen meist an Seen mit größeren Wasserflächen und vor allem mit reicher Vegetation. Beides ist in idealer Weise bei Lagoa dos Salgados vorhanden. Übrigens nimmt der Bestand der Tafelente in ganz Europa etwas zu. Die etwas plump wirkende Entenart zählt zu den so genannten Tauchenten, weil sie, im Gegensatz zu der anderen Entengruppe, den Gründelenten, bei der Nahrungssuche vollständig untertauchen. Dabei können sie, falls erforderlich, manchmal rekordverdächtige Tiefen von mehreren Metern erreichen. Bei diesen Tauchgängen werden Unterwasserpflanzen, Algen, Fischchen, Süßwasserschnecken und kleine Wasserinsekten heraufgeholt. Die Stimmen dieser Entenart sind selten zu hören. Die Männchen lassen bei Balzhandlungen ein schwach pfeifendes ,,py, py, py” und leise Pumpgeräusche wie von einem Blasebalg hören. Die Weibchen bringen dagegen ein lauteres schnarrendes ,,krrrrak” hervor. Das ist wohl ein Warnruf, der vor allem beim Auffliegen und Flüchten gut zu hören ist. Das auffällige Männchen, bei Entenvögeln auch Erpel genannt, ist an seinem rotbraunen Kopf, der schwarzen Brust und ,,Heck” sowie dem hellgrauen Mantel leicht zu erkennen. Ferner ist beim Erpel die hübsche rote Iris des Auges erwähnenswert. Auch der blaue Fleck auf dem dunklen Schnabel des Erpels trägt weiter zur Attraktivität des Vogels bei. Beim graubraunen Weibchen (Ente) muss der Ungeübte allerdings genauer hinsehen, um die Art sicher von ähnlich aussehenden und nahe verwandten Tauchentenweibchen unterscheiden zu können. Hier hat die Natur wie so oft nicht die bunteren und somit mehr ins Auge fallenden Männchen diskriminiert: Die weniger auffällige Tarnfärbung der Weibchen bringt größere Sicherheiten beim Brüten. Die Tafelente legt meist nur drei bis fünf Eier, die gut drei Wochen bebrütet werden. Die Jungen werden als Nestflüchter sofort aufs Wasser geführt. Für die ersten Tage halten die Enten-Familien sich allerdings am Rande der schützenden Vegetation auf, wo sich auch mehr kükengerechte Nahrung findet. So haben es Greifvögel wie die Rohrweihe, die oft in niedrigem Fluge über dem Schilf nach Jungvögeln suchen, wesentlich schwerer Beute zu machen. Erst wenn die Jungen eine gewisse Größe erreicht haben, findet man sie zusammen mit der Mutter auf offeneren Wasserflächen. Dann sind sie leichter zu beobachten und es kann dann auch eher ein Brutnachweis geführt werden. Die Nester sind nämlich äußerst schwer zu finden und ausgiebiges Suchen danach würde außerdem erhebliche Störungen verursachen.

 

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