Wasserralle

Rallus aquaticus

Der scheue Vogel zählt zu den gefährdeten Arten. Er ist ein Einzelgänger und lebt versteckt in dicht bewachsenen Sumpfgebieten. Derzeit befindet sich die Wasserralle in der Brutzeit. Männchen und Weibchen bauen ein Nest aus Gras, Halmen und Pflanzenteilen

Wer an einem mit dichter Ufervegetation bewachsenen, Wasser führenden Graben vorbeikommt, an einem Tümpel oder dem Ufer eines Teiches und seltsame Rufe hört, die wie ein Magenknurren, ein leises ,,purr purr” oder aber ein lautes, weithin hörbares Quieken erscheinen, das an ein Schwein angesichts der Schlachtbank erinnert, der hat gleich mehrfach von der Nähe einer Wasserralle erfahren. Die englisch Water Rail und portugiesisch Frango d´água genannte Wasserralle, die in der Algarve an zahlreichen Stellen vorkommt, aber selbst von Vogelexperten eher gehört und selten gesehen wird, zählt zu den am verstecktesten lebenden Vogelarten in Europa. Daher haben die wenigsten Menschen sie je zu Gesicht bekommen und sie ist vielen weit gehend unbekannt. Es ist typisch für heimliche Vogelarten, die in dichter Vegetation leben und vielfach auch nachts aktiv sind, sich wesentlich häufiger durch Rufe zu verständigen als durch Sichtkontakt. Diese Rallenart, obwohl nur knapp taubengroß, ist mit dem seltenen Purpurhuhn, dem Blässhuhn und dem Teichhuhn verwandt. Die größeren nicht ganz so versteckt lebenden Verwandten ­ allesamt keine Hühner sondern auch Rallenarten ­ wurden bereits in der ESA (4/03, 9/03,10/03) vorgestellt. Das Gefieder der Wasserralle ist oberseits bräunlich gestrichelt, die Vorderseite bleigrau und an den Seiten mehr oder weniger schwarzweiß gebändert. Um ein Foto dieses scheuen Vogels machen zu können, musste mit viel Aufwand ein Beobachtungsversteck aus Schilfmatten an einem günstigen Punkt im Röhricht aufgestellt werden, wo Wasserrallen erwartet werden konnten. Es galt, eine Schneise zu schneiden. Erst nach mehreren Tagen Gewöhnungszeit sowie weiteren tagelangen Ansitzen in diesem engen Versteck gelang es, zwei dieser Vögel näher vor das Teleobjektiv zu bekommen. Denn bei Gefahr versucht die Wasserralle rasch laufend zwischen den eng stehenden Schilfhalmen zu entkommen, was ihr dank ihres seitlich sehr abgeflachten Körpers gelingt. Selbst bei ernsthafter Verfolgung fliegt der Vogel nur unwillig mit baumelnden Beinen auf und lässt sich alsbald wieder rasch ins schützende Pflanzendickicht fallen. Die quiekenden Rufe konnten in der Algarve schon an vielen Stellen vernommen werden. Nur durch diese akustische Information konnte eine bessere Kenntnis über die Verbreitung dieser heimlichen Vogelart erreicht werden. Allerdings geben die Rufe allein keine Anhaltspunkte für die Bestimmung der Anzahl der Brutpaare. Ornithologen sind somit auf grobe Schätzungen angewiesen. Hat man das Glück, ein Nest zu finden, das sehr versteckt am Grunde von Schilf angelegt wird, können sich sechs bis elf cremefarbene, rotbraun gepunktete Eier darin befinden. Nach etwa drei Wochen Bebrütung schlüpfen die niedlichen pechschwarzen Küken, die den Eltern sofort folgen können und nach acht Wochen in die Selbstständigkeit entlassen werden. Zur Nahrung der Wasserralle gehören kleine Fischchen, allerlei Wasserinsekten oder Würmer. Aber wenn sich die Gelegenheit ergibt, kann auch schon mal eine junge Maus erbeutet werden. Die Wasserralle ist im Übrigen nicht besonders wählerisch in puncto Lebensraum. Wichtig für sie ist ein Süßwasserbiotop mit flachem Wasser und starkem Uferbewuchs, bestehend entweder aus Binsenbulten oder aus größeren dichten Schilfwäldern. So ist der Vogel an Wasser führenden verschilften Gräben, an Stauseen, an Flussbuchten, auch am Arade und im Feuchtgebiet Lagoa dos Salgados, östlich von Armação de Pêra, zu hören. Immer häufiger warnen allerdings auch portugiesische Ornithologen davor, dass SüßwasserLebensräume in der Algarve verschwinden, weil die starke Bautätigkeit unvermindert anhält.

Text und Foto: DR. MANFRED TEMME

ESA 05/06

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