Uferschnepfe

Die Uferschnepfe

Limosa limosa
Die Uferschnepfe, die als ausgewachsener Vogel bis zu 45 Zentimetern groß wird und eine Flügelspannweite von bis zu 75 Zentimetern erreicht, verbringt die Winterzeit unter anderem im Mittelmeerraum. Dann ist sie auch in den Feuchtbiotopen der Algarve zu sehen

Text: DR. MANFRED TEMME

Es sind sicher nur wenige Menschen, die eine Uferschnepfe, diesen grazilen und zur Brutzeit recht bunten Vogel mit seinen Stelzbeinen und seinem langen Schnabel, bisher zu Gesicht bekommen haben. Es ist ein etwa taubengroßer Wiesenvogel (englisch: Black-tailed Godwit; portugiesisch: Milherango), der leider in den letzten Jahrzehnten in seinem Brutgebiet in Mitteleuropa, vor allem in den Niederlanden und in Norddeutschland, drastisch auf dem Rückzug ist. Schuld daran sind die vom Menschen durchgeführten Trockenlegungen von Feuchtgebieten oder andere Veränderungen in der Landwirtschaft, die dem Vogel für ihn geeignete Lebensräume zerstören und ihm somit die Nahrungsgrundlage wegnehmen. Auch natürliche Verlandungen und eine Verbuschung der Landschaft sorgen für eine Verringerung der Brutvogelzahlen. In Polen und in westlichen Bereichen Russlands ist die Uferschnepfe als Brutvogel nur noch in ausgedünnten Populationen zu finden. Das klagende: ,,grütto, grütto”, beim auffälligen Balzflug geäußert, gehört mit zu den schönsten Rufen, die neben Kiebitz und Feldlerche auf großen feuchten Wiesen und Weiden zu hören sind. Im Herbst ziehen Uferschnepfen teilweise bis nach Nordwest-Afrika und überwintern hauptsächlich in schlammigen Bereichen von Flussmündungen im Senegal. Auf dem Heimzug rastet der Vogel auch in größerer Anzahl für einige Wochen in Portugal. Obwohl die Uferschnepfe in Portugal nicht brütet, können im Frühjahr allein im Mündungsgebiet des Tejo über 80.000 Durchzügler beobachtet werden. Auch in der Algarve ist die Art regelmäßig zu hunderten an geeigneten Rastplätzen zu sehen. Die Uferschnepfe hält sich dann beispielsweise auf Schlickflächen in Mündungsbereichen der Flüsse Arade, Ribeira da Boina und anderen auf. Im März und April dann halten sich die Vögel regelmäßig in einem der wertvollen und bedrohten Süßwasser- und Brackwasser-Lebensräume für zahllose Wasservögel, der Lagoa dos Salgados bei Pêra, vierzig bis einhundert Vögel auf. Die Vögel halten sich in dieser Lagune auf dem Rückflug aus dem Süden auf oder rasten teilweise für längere Zeit. In der Algarve sind die Uferschnepfen allerdings meist noch in ihrem winterlichen grauen Ruhekleid (s. Foto oben) zu sehen, das sich allerdings in wenigen Wochen zum rotbraunen Brutkleid (s. Foto unten) mausert. Während der Aufzucht der Jungen steht das Männchen oft auf Weidezaunpfählen, um die Umgebung nach Feinden abzusuchen, während das Weibchen die meist vier Jungen auf der Weide umherführt. Die Uferschnepfe bevorzugt hauptsächlich Süßwasser-Habitate, wogegen die nah verwandte und ebenfalls im April hier durchziehende Pfuhlschnepfe sich mehr an Salzwasserbereiche hält. An der Spitze des Stocher-Schnabels befinden sich Tastorgane, mit denen Würmer und anderes im Schlamm lebende Kleingetier wie Schnecken, Würmer, Insekten, Krebstiere, Spinnen oder Larven aufgespürt werden können. Vielfach watet die Uferschnepfe zur Nahrungssuche bis zum Bauch im Wasser und taucht den Schnabel ­ und wenn dessen Länge nicht reicht, auch noch den Kopf ­ tief ins Wasser.

 

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