Der Grünfink

Der Grünfink oder Grünling (Carduelis chloris) gehört zu den Singvögeln und wird in Portugal zunehmend häufiger beobachtet. Er hüpft beidbeinig, fliegt schnell und bogenförmig und ist auch an seinem charakteristischen Gesang zu erkennen

Der Grünfink, auch als Grünling bekannt, ist über ganz Europa verbreitet und auch in Deutschland häufig anzutreffen. Daher ist der Vogel den Menschen in der Regel gut bekannt. Außerdem ist dieser Finkenvogel im südwestlichen Asien sowie im nördlichen Afrika zu finden. Inzwischen wurde er, wegen seiner schönen grüngelblichen Färbung, auf den Azoren und sogar in Paraguay und im australischen Raum freigesetzt. Durch seine Beliebtheit als Käfigvogel hat der Grünfink vor einiger Zeit in England, wo er ,,Greenfinch” heißt, ein großes Aufsehen verursacht, als dort Hunderte dieser geschützten Singvogelart mit verwandten Arten illegal auf Märkten zum Verkauf angeboten wurden. Allerdings gehört der Grünfink unter den Gesichtspunkten des Artenschutzes betrachtet, nicht direkt zu den bedrohten Vögeln. Möglicherweise hat seine Anpassungsfähigkeit zu seinem zahlreichen Vorkommen beigetragen, denn im Zuge der Verwandlung ländlicher und städtischer Strukturen hat der Grünfink seinen Lebensraum von landwirtschaftlichen Gebieten auf Dörfer und neuere Wohnsiedlungen ausgedehnt. Es müssen nur genügend hohe Laubbäume, aber auch Pinien oder andere Schutz bietende Nadelbäume vorhanden sein. So wird er auch in Südportugal häufiger und immer öfter ist es möglich, sein stereotypes ,,gügügügügü” zu hören, wie auch ein lang gezogenes ,,schwoinsch”. Ihn zu sehen, fällt schwerer, denn aufgrund seiner grünlichen Färbung verschwimmt der Vogel in der immergrünen Landschaft der Algarve. So ist die Kenntnis seiner Rufe und der Gesangsstimme ein wertvolles Erkennungszeichen, bevor der den Vogel überhaupt sichtbar wird. Am kräftigen Körnerfresserschnabel erkennt der Vogelkenner gleich, wovon der Grünfink oder Grünling sich ernährt. Er hat eine Vorliebe für größere Samenkörner, doch auch kleinere Grassämereien gehören zu seiner Nahrung. In Deutschland sieht man im Herbst oft größere Trupps in Heckenrosen niedergehen, wo sie das Fruchtfleisch der roten Hagebutten fressen. So bekommen die Vögel für den langen Winter zusätzliche Aufbaustoffe, bauen ein Fettpolster auf, das das Überleben der meist während der kalten Jahreszeit in der Heimat verbleibenden Vögel sichert. Im milden südlichen Portugal oder Südeuropa dagegen vagabundieren Grünfinken mit anderen Finken wie Grauammern, Stieglitzen und Bluthänflingen auf der Suche nach Sämereien auf abgeernteten Feldern umher. Hin und wieder suchen kleine Grünfinkentrupps in den Wintermonaten auch ungewöhnliche Rastplätze wie Schilfbereiche an Teichrändern auf. Zur einsetzenden Brutzeit im Februar/März bevorzugt der portugiesisch ,,Verdilhão-comum” genannte Vogel größere Gärten mit älteren Obstbäumen, vor allem Oliven-, Mandel- und Orangenplantagen. Die Nester werden versteckt in Astgabeln gebaut und vier bis sechs Eier gelegt. Es kann bis zu dreimal im Jahr gebrütet werden. Die vorverdaute Körnernahrung wird im Kropf herbeigeschafft und den Jungen übergeben. Nach drei bis vier Wochen sind die Jungen selbstständig und nach einem Jahr beginnen sie selbst mit dem Brutgeschäft.
Text: DR. MANFRED TEMME

ESA 10/05

 

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