Stieglitz

Der Stieglitz

(oder Distelfink)
Carduelis carduelis
Währen der Stieglitz in Deutschland und allgemein in Mitteleuropa in geringer Anzahl vorkommt, gelingt dagegen in Südeuropa häufig sogar eine zweite Jungenaufzucht. In der Algarve kommt der kleine Finkenvogel sehr häufig vor

Text: DR. MANFRED TEMME

Das recht bunte Aussehen und die bezeichnende Stimme machen den Stieglitz unverkennbar. Er ist ein in der Algarve äußerst häufig vorkommender kleiner Finkenvogel. Seine besonderen Merkmale sind das rote Gesicht und der auffällig in Weiß und Schwarz gefärbte Ohrbereich. Die goldgelben Flecken auf den Flügeln erscheinen noch größer, wenn sie ausgebreitet sind und begründen den englischen Namen Goldfinch. Wegen seines bunten Äußeren wird er gerne für die in manchen Ländern sehr beliebte Käfighaltung benutzt. Die Portugiesen nennen ihn Pintassilgo-comun. Vorüberfliegende Stieglitze erkennt man schon von weitem an den typischen ,,Stidelitt, stidelitt” Rufen, von denen der deutsche Name Stieglitz abgeleitet werden kann. Der zweite bekannte Name Distelfink ist auf die Vorliebe dieses schlanken Vogels für reifen Distelsamen zurückzuführen, für die er ein wahrer Spezialist ist. Mit seinem spitz auslaufenden Schnabel holt er diesen Samen aus den noch an den Pflanzen stehenden trockenen Fruchtständen heraus. Dabei kann er geschickt wie eine Meise an den Disteln herumturnen. Zwischendurch können die Vögel auch vorübergehend aus dem Blickwinkel des Beobachters verschwinden, wenn sie in der Bodenvegetation nach den dabei herunter gefallenen Sämereien suchen. Im Winterhalbjahr schließen sie sich mit anderen Finkenarten wie Grünfinken, Bluthänflingen und Girlitzen zu größeren Trupps zusammen und suchen gemeinsam weite, abgeerntete Felder oder Brachland zur Nahrungssuche auf. Diese Schwärme können gelegentlich aus mehreren hundert Vögeln bestehen. Das ganze Jahr über können Stieglitze sehr gut in der Algarve beobachtet werden. Die Vögel bewohnen hauptsächlich aufgelockerte Obstbaumbestände und andere offene Kulturlandschaften. Sie scheuen aber auch lockere menschliche Besiedelungen nicht. Sehr gern scheint der Stieglitz sich in Mandelbäumen aufzuhalten. Im Frühjahr suchen sie auch auf Rasenflächen nach Grassämereien, doch wird dann der Insektenanteil an ihrer Nahrung größer. Als ein schreckhafter Vogel fliegt er bei jeglicher vermeintlichen Gefahr oder Störung auf und flüchtet zunächst in belaubte Bäume. In Mitteleuropa, wie beispielsweise in Deutschland, kommt der Stieglitz in wesentlich geringerer Anzahl vor. Dort gelingt aus Witterungsgründen meist nur eine Brut, in Südeuropa dagegen kann es zwischen Mai und Juli zu einer zweiten Jungenaufzucht kommen. Das Nest ist ein kleines Kunstwerk aus feinen, trockenen Grashalmen und Tierhaaren für die feine Innenauskleidung. Es wird in eine Astgabel möglichst weit vom Baumstamm entfernt eingeflochten. Während der Brutzeit füttert das Männchen seine auf den Eiern brütende Partnerin mit aufgeweichter Nahrung aus dem Kropf. Nebenher gehören auch kleine Insekten zum Speisezettel, deren Anteil bei der Jungenaufzucht noch zunimmt.

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