Flussuferläufer

Der Flussuferläufer
Actitis hypopoleucos

Der Flussuferläufer duldet den Menschen bis zu einem gewissen Sicherheitsabstand und bleibt immer sehr wachsam. Falls ihm etwas nicht ganz geheuer vorkommt, etwa die Bewegung eines großen Teleobjektivs, fliegt er rasch ab

Der Flussuferläufer ähnelt seinen rund zwanzig verwandten Strandläuferarten, ist aber trotzdem sicher an seiner typischen Verhaltensweise zu erkennen. Er fliegt bei Störungen mit einem hohen und kräftigen ,, hi-di-di-di-di-di” auf. Die schnellen Flügelschläge werden durch segelnde Strecken unterbrochen, wobei der Vogel die Flügel steif leicht nach unten abwinkelt. Dabei fliegt der Flussuferläufer oft flach über das Wasser hinweg, um am nächsten Uferstreifen zu landen. Bei dieser Landung fällt ein kräftiges Aufund Abwippen mit dem ganzen Hinterteil des Körpers auf, das gleiche Verhalten zeigt der Vogel, wenn er anschließend weiter am Ufer entlangläuft. Es ähnelt dem Schwanzwippen der Bachstelze. Der Flussuferläufer ist als Brutvogel inselartig über ganz Europa verteilt und nirgends sehr häufig. Nur in Skandinavien, Osteuropa und Asien ist er regelmäßiger vertreten. Dementsprechend brütet der Maçarico-das-rochas, wie er auf Portugiesisch genannt wird, an geeigneten Stellen in Portugal. In der Algarve dürfte es nur bis zu zehn ständig hier lebende Paare geben. Die Brutplätze können an ungestörten, steinigen oder sandigen Flussabschnitten, Stauseen oder anderen Gewässern liegen. Diese wenigen Vögel sind während der Brutzeit in der Algarve kaum zu entdecken. Teilweise hängt das damit zusammen, dass beide Eltern sich äußerst vorsichtig im Nestbereich verhalten. Zur Paarbildung imponiert das Männchen seinem Weibchen durch Schauflüge, Balzrufe, mit hochgestellten Flügeln sowie gefächerten Schwanzfedern. Schon im April werden in der Nähe des Wassers die Nestmulden gekratzt und später drei bis vier Eier gelegt. Beide Partner wechseln sich während der drei Wochen dauernden Brutzeit ab. Zunächst beteiligen sich auch beide bei der Aufzucht der Nestflüchter. Schon vor deren Flüggewerden verlässt dann meist das Weibchen die Familie und überlässt dem Männchen die restliche Arbeit. Die Jungen müssen zwei Jahre alt werden, bis sie selbst zur Brut schreiten. Im Winterhalbjahr ist diese Limikole, wie Wasserläuferarten von den Ornithologen auch genannt werden, in der Algarve wesentlich häufiger anzutreffen. Dann können zusätzlich Zugvögel angetroffen werden, die die unwirtlichen Gegenden in Mittel-, Nord- und Osteuropa verlassen haben, um hier für einige Monate im milderen Klima einen sicheren Nahrungstisch zu finden. In dieser Jahreszeit sind die im Englischen als Common Sandpiper bekannten Vögel bei der Auswahl der Gewässertypen nicht besonders wählerisch. So kann man sie an Rändern von Salzwasserbiotopen wie Salinenbecken und Flussmündungen beobachten, die infolge der Gezeitenströme mal mehr und mal weniger Süß- oder Salzwasser führen. Voraussetzung für den Besuch des Flussuferläufers ist dabei das Vorhandensein kleinster Salinen- und Uferkrebschen sowie von Bodenwürmern, Insekten und deren im Wasser lebenden Larven, die der Vogel braucht, um satt zu werden. Gilt es, ein schnelles Insekt zu fangen, duckt der Flussuferläufer sich, rückt mit vorsichtigen Schritten näher heran und stößt plötzlich mit dem pinzettenartigen Schnabel zu. Jetzt finden sich Flussuferläufer schon mal in kleinen, aufgelockerten Gruppen zusammen. An manchen Gewässerabschnitten mit reichhaltiger Nahrung entwickelt sich eine ausgesprochene Territorialität und es kommt zu längeren Verfolgungsjagden.

Text: DR. MANFRED TEMME

 

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