Schwarzstorch

Der Schwarzstorch

Der Schwarzstorch ist viel seltener anzutreffen als der mit ihm verwandte Weißstorch. Mit 97 Zentimeter Länge ist der schwarze, metallisch glänzende Vogel etwas kleiner. Auf der Iberischen Halbinsel gibt es noch einige inselartige Verbreitungszonen

Ciconia nigra

von DR. MANFRED TEMME

Am Cabo de São Vicente kann im Herbst an günstigen Tagen ein verstärkter Greifvogelzug beobachtet werden. Auf ihrem Weg nach Afrika überqueren hier mehrere, sonst seltener zu sehende Habichtsadler, Zwergadler, Schwarzmilane und auch Gänsegeier die schmale Landzunge in Richtung Süden oder Südost. Oft kreisen sie zur Orientierung hier noch eine zeitlang und bieten so dem Ornithologen hervorragende Beobachtungsmöglichkeiten. Gelegentlich war sogar ein Schwarzstorch dabei, der schon manchen anwesenden Vogelfreund erfreut hat. Denn der Schwarzstorch, wesentlich scheuer und etwas kleiner als sein naher Verwandter, der Weißstorch (s. ESA 4/04), ist ungleich seltener zu sehen. In der Algarve ist die Sichtung des Cegonha negra immer etwas Besonderes. Das zeigt sich daran, das jede einzelne Feststellung dieser Art von der Sociedade Portuguesa para o estudo das Aves (SPEA), der Organisation für Naturschutz und Vogelbeobachtung den Mitgliedern durch Rundschreiben bekannt gemacht wird. Meist erscheinen einzelne Vögel, gelegentlich können auch bis zu vier vorkommen. Im Oktober und November 2004 wurden drei am Naturschutzgebiet Ria de Alvor gesichtet und ein weiterer bei Castro Verde. Drei Schwarzstörche überflogen am 31.10.04 das wertvolle Feuchtgebiet Lagoa dos Salgados östlich von Armação de Pêra. Mehrere anwesende Vogelfachleute aus England, den Niederlanden und Deutschland sahen mit Begeisterung den drei ,,Black Storks” zu, wie sie etwa zehn Minuten lang in größerer Höhe über der Wasserfläche kreisten. Vom Weißstorch ist der verwandte Schwarzstorch leicht zu unterscheiden, denn sein Gefieder ist überwiegend schwarz, nur die Bauchpartie ist weiß. Aus der Nähe gesehen, glänzt es allerdings an Kopf, Hals und an den Seiten und je nach Beleuchtung zeigt sich ein violetter oder grünlicher Schimmer auf dem Federkleid.

Die Brutgebiete des Schwarzstorches liegen in Ostdeutschland, Polen und dem angrenzenden Russland. Ihr Vorkommen ist allerdings auch dort gering. In Zentral-Iberien, in Spanien und auch in Zentral-Portugal sowie am östlichen Mittelmeer gibt es einige inselartige Verbreitungszonen. Hier brütet jeweils eine größere Anzahl Paare, oft in Felslöchern steiler und schwer zugänglicher Gebirgsmassive, wo sich die Vögel vor dem Menschen sicher fühlen. In Mittel- und Osteuropa ist der Schwarzstorch dagegen ein zurückgezogen lebender Waldbewohner, der in dichten und hohen Bäumen sein Nest errichtet. Die Aufzucht der Brut dürfte sich nicht wesentlich von der des weißen Vetters unterscheiden. Als Lautäußerungen werden vom Nest her manchmal wimmernde Töne beschrieben, aber es soll wesentlich weniger geklappert werden. Seine Nahrung wie Fische, Amphibien und Insekten sucht er in Bächen, Flachgewässern, Feuchtwiesen, Sümpfen und in Auen.

 

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