Girlitz

Serinus serinus

Der Girlitz

Der Girlitz ist einer der kleinsten einheimischen Finkenvögel und in Portugal sehr häufig als Brutvogel anzutreffen. Der Vogel fällt in der dichten, immergrünen Belaubung von Bäumen und Sträuchern der Algarve am ehesten durch seinen charakteristischen Gesang auf
Der Girlitz kommt, als einer der kleinsten einheimischen Finkenvögel, in Portugal sehr häufig als Brutvogel vor. Ursprünglich war er nur um das Mittelmeer herum verbreitet, aber er hat seinen Lebensraum im vergangenen Jahrhundert ständig über große Teile Mitteleuropas bis hin nach Skandinavien und England ausgeweitet. Er ist in den nördlicher gelegenen Ländern allerdings längst nicht so zahlreich vertreten wie hier in der Algarve. Trotz seiner größeren gelben Gefiederbereiche fällt das Männchen in der dichten, immergrünen Belaubung von Bäumen und Sträuchern der südlichen Region kaum auf. Dies gilt vor allem für die Weibchen mit ihrem grünlicheren und mehr gestrichelt wirkenden Federkleid. Und der Girlitz verschwindet durch seine geringe Größe leicht aus dem Blick. Eine weitere Kennzeichnung der Art ist der äußerst winzige, kegelförmige Körnerfresser-Schnabel. Wenn Spaziergänger dann doch eines gelblichen Männchens ansichtig werden, halten viele den Vogel zunächst für einen entflogenen Kanarienvogel, dessen Wildform ebenfalls ähnlich grüngelb mit schwacher dunkler Strichelung gefärbt ist. Wie so oft bei sehr kleinen Vogelarten fallen die Männchen um so mehr durch ihren Gesang auf. Dieser besteht beim Girlitz aus einem hohen, feinem und quirligen Gezwitscher, das oft mit dem Quietschen eines ungeölten Kinderwagens verglichen wird. Dieser Gesang wird entweder von einer höheren Sitzwarte, meist ein etwas frei stehender Ast oder während der erratisch und fledermausartig flatternden Flugbalz vorgetragen. Häufig wird dabei ein Motiv, das wie ,,Girrrrr-litz” klingt, eingeflochten, auf das der deutsche Name zurückgeht. In der mehrsprachigen Algarve ist es von Vorteil auch seinen englischen Namen ,,Serin” und die portugiesische Bezeichnung ,,Chamariz” zu kennen. Vogelbeobachter, die mit dem Gesang und anderer Rufäußerungen erst einmal vertraut sind, werden häufiger auf die Art aufmerksam. Schon während der Brutzeit, besonders aber außerhalb, sucht der Girlitz zur Nahrungssuche freie Kulturlandschaften und landwirtschaftlich bearbeitete Felder auf; er braucht einzelne Bäume in der Nähe, wo er sich bei Gefahr schnell hinflüchten kann. Zur Nahrung gehören feinster Pflanzensamen, der oft noch an den reifen Grasähren herausgepickt wird. Gelegentlich entziehen sich die Vögel vorübergehend den Blicken, wenn sie in der Bodenvegetation nach herunter gefallenden Sämereien suchen. Nebenher gehören auch kleine Insekten zum Speisezettel. Vor allem in den Wintermonaten schließen sich Girlitze sehr häufig Verbänden aus anderen Finkenvögeln wie Grünfinken, Stieglitzen und Bluthänflingen an. Daneben findet man Girlitze regelmäßig in Obstbaum-Plantagen, vor allem auch besonders in Mandelbäumen oder dichten Pinien. In diesen wird das kleine schalenartige Nest aus dünnen Zweigen und Moos, mit Spinnweben verstärkt, erbaut. Das Innere wird zuletzt mit feinerem Material wie Federn und Haaren ausgekleidet. Wie in dieser Vogelgruppe üblich, werden drei bis fünf Eier gelegt und etwa zwei Wochen bebrütet. Die Jungen werden zwei Wochen lang mit Sämereien gefüttert, die von den Elternvögeln im Kropf manchmal aus zwei bis drei Kilometer Entfernung herbeigeschafft werden. Dabei wird der Insektenanteil während der Jungenaufzucht wesentlich erhöht. Es können, oftmals an ganz anderen Stellen, noch eine zweite, in günstigen Situationen sogar eine dritte Brut innerhalb eines Jahres durchgezogen werden.
Text: DR. MANFRED TEMME

 

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