Meerestiere an Portugals Küste: Heilbutt

Beim weißen Heilbutt handelt es sich um die größte Art der Plattfische. Seine Oberseite ist grau-braun (bei älteren Fischen schwärzlich), die Unterseite weiß. Er kann bis 4 m lang werden: also mehr als doppelt so groß wie ein ausgewachsener Mensch! Bei maximaler Größe wiegt er um 300 kg und ist dann 40 bis 50 Jahre alt. Solche Exemplare werden heute aber nur noch selten gefangen.

Vorkommen in Europa

Der Heilbutt ist ein gieriger Raubfisch, der praktisch alles frisst, was ihm erreichbar ist: jede Art von Fischen, Weichtiere (Tintenfische), Krebse, Garnelen und sogar Muscheln. Er geht sowohl in flachen als auch tiefen Gewässern auf Beutefang. Man findet ihn schon in 50 m Wassertiefe, aber auch in Tiefen bis zu 2.000 m. Er liebt die kalten nordischen Gewässer um Kanada und Grönland, unternimmt aber auf der Jagd nach seinem riesigen Futterbedarf auch extrem weite Wanderungen. Und so kommt es, dass einzelne Exemplare auch an der portugiesischen Westküste gefangen werden. Der Heilbutt wird erst nach etwa 8 bis 16 Jahren geschlechtsreif. Das Weibchen ist dann etwa 1,50 m lang und 35 kg schwer. Vielfach werden sie allerdings vorher und wesentlich kleiner als Beifang der Schleppnetzfischerei gefangen. Ohne jemals in den Genuss der Fortpflanzung gekommen zu sein. Als typische Plattfische kommen die Jungen als Larven zur Welt und werden dann kleine ,,normale” Fische. Erst später, wenn sie etwa 3 cm lang sind, wandert das linke Auge auf die rechte Seite und der Plattfisch bildet sich. Der Heilbutt hat weißes, festes und überaus schmackhaftes Fleisch. Es ist etwas faseriger und trockener als das Fleisch kleinerer Plattfische, wie zum Beispiel das der Scholle oder des Steinbutts. Aufgrund seiner Größe wird er in den Markthallen nicht als Ganzes angeboten, sondern als Steak (,,Querscheiben”) oder als Filet. Für den Käufer hat das den Nachteil, dass er die schwarzen Augen und roten Kiemen als Frische-Indikator nicht mehr sieht. Also ist eine gewisse Vorsicht beim Kauf geboten und es hilft nur der Geruchstest. Heilbuttsteak schmeckt wunderbar gegrillt, gedünstet oder gebraten. Die Mittelstücke sind dabei am schmackhaftesten.

Kaum einer kommt durch
Fischweibchen legen eine gigantische Menge von Eiern. Deshalb mag es sonderbar klingen, wenn trotzdem von einer Abnahme des Fischbestandes geredet wird. Wie kann es dazu kommen? Ein Heilbuttweibchen legt um 3 Millionen Eier. Wie die meisten Meeresfische (etwa 70 %) legt es die Eier pelagisch. Das heißt, sie sind mit einem winzigen Tropfen Öl versehen und schwimmen frei im Wasser. Wir können grob schätzen, dass von den 3 Millionen Eiern vielleicht fünfhunderttausend aufgrund von schlechtem Wetter und stürmischer See zugrunde gehen oder gefressen werden. Aus den übriggebliebenen Eiern schlüpfen Larven, von denen aber vielleicht wiederum fünfhunderttausend verhungern, weil es nicht genug Nahrung im Wasser gibt. Jetzt sind nur noch 2 Millionen übrig. Davon werden möglicherweise 1 Million von ihren kannibalistischen Artgenossen gefressen. Nach etwa 6 Monaten gehen die restlichen 1 Million Jungfische zum Leben auf dem Meeresgrund über. Sie sind dann etwa 4 cm lang. Dort sind sie ein gefundenes Fressen für die Raubfische. Das Alter von einem Jahr, wo sie um ein halbes Kilo wiegen, erleben vielleicht noch eine halbe Million Fische. Davon werden im Laufe der nächsten Jahre alle bis auf zwei entweder von großen Fischen gefressen oder als Beifang bei der Schleppnetzfischerei gefangen und verzehrt oder zu Fischmehl verarbeitet. Die Geschlechtsreife erlebt rein statistisch weniger als ein Fisch von 3 Millionen. Wenn man ihn lassen würde, könnte der Heilbutt ein Alter von über 50 Jahren und ein Gewicht von mehr als 300 kg erreichen. Im Gegensatz zum Beispiel zum Menschen, dessen Wachstum bereits in relativ jungen Jahren aufhört, wächst ein Fisch sein Leben lang.

 

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