1005LLsaramugo

ARTENVIELFALT
Foto: Pedro Rocha

Kleine Fische
Im Mai ist Laichzeit für den saramugo. Der unscheinbare, kleine Süßwasserfisch kommt nur im Guadiana-Becken vor und ist wichtig für das ökologische Gleichgewicht der Gewässer. Biologen widmen sich der Bestandserhaltung der bedrohten iberischen Fischart
nspektakulär zu sein bedeute meist, keinerlei Aufmerksamkeit von seiner Umwelt zu erfahren, meint Pedro Rocha vom Institut für Naturschutz und biologische Vielfalt Instituto de Conservação da Natureza e Biodiversidade (ICNB). Das sei in der Fauna ebenso wie im menschlichen Leben und betreffe auch den saramugo, die Spanische Elritze (Anaecypris hispanica), ein sechs bis sieben Zentimeter kleiner Süßwasserfisch. Er ist ausschließlich im Guadianabecken zwischen dem Rio Estena nahe den spanischen Ciudad Real und der Ribeira de Odeleite in der Algarve anzutreffen, vor allem in einigen kleinen Flüssen in der Serra do Caldeirão. Doch in den Jahren 2007 und 2008 ist der saramugo aus den Flüsschen Caia, Álamo und Carreiras gänzlich verschwunden und im Guadiana mittlerweile kaum noch nachweisbar. Sein Gesamtbestand sank in der Dekade 1990-2000 um die Hälfte, seitdem um weitere achtzig Prozent. Er steht auf der Roten Liste für bedrohte Arten (www.iucnredlist.org). Das ,,Fischlein ist zwar völlig unsexy und eignet sich weder für das Aquarium noch für den Grill”, doch verdiene es Beachtung, denn es sei notwendig für das ökologische Gleichgewicht des Grenzflusses zwischen Portugal und Spanien, erklärt Biologe Rocha. Der saramugo ,,pflegt quasi das Flussbett, denn er ernährt sich von Plankton und Benthos”, von Pflanzen und Kriechtieren des Gewässerbodens. Pedro Rocha will den nicht sehr fortpflanzungsfreudigen saramugo mit einem Aufzuchtprogramm retten. Im Fluviário de Mora (s. ESA 5/08) wurde bereits früher ein wissenschaftliches Forschungs-und Entwicklungsprojekt für endemische Arten durchgeführt. Auf den Erkenntnissen der Kollegen aus dem Süßwasseraquarium im Alentejo aufbauend, hat Pedro Rocha in der Verwaltung des Parque Natural do Vale do Guadiana in Mértola ein halbes Dutzend Bottiche aufgestellt. Dort gelang die weltweit erste saramugo-Reproduktion unter künstlich geschaffenen Lebensbedingungen. Die Fische werden je nach Herkunft in verschiedenen Becken gehalten. Die Trennung soll die ,,Kontaminierung des jeweiligen genetischen Materials verhindern und helfen, provenienzbedingte Unterschiede zu erkennen”. Gemeinsame 38

,,Klein und unsexy”: die Spanische Elritze Parque Natural do Vale do Guadiana

Eigenschaften sind schon bekannt: Saramugos werden nur drei Jahre alt und sind sehr empfindlich: ,,Sauerstoffreich und unter 25 Grad warm soll das Wasser sein”, doch je weniger Wasser der Guadiana führt, desto rascher erwärmt es sich”, so Rocha: ,,In heißen, trockenen Jahren ­ wie es Meteorologen für 2010 vorhersagen ­ reduziert sich der Lebensraum bisweilen auf kleine Pfützen”. Doch nicht nur das Klima bedroht den saramugo. Auch Talsperrenbau und Wasserverschmutzung durch Siedlungs- und Industrie-Abfälle und landwirtschaftliche Einleitungen beeinträchtigen das Biotop. In den vergangenen Jahren sind zudem Fischarten im Guadiana aufgetaucht, die hier als Exoten gelten. Sie wurden größtenteils gezielt ausgesetzt, um im Interesse der Sportfischer den Fischbestand des Flusses zu vergrößern, kritisiert der spanische Biologe Ignacio Doadrio. Auf diese Weise trete nun der Forellenbarsch (achigã; Micropterus salmoides) als natürlicher Feind des saramugo auf. Einer der wenigen verbliebenen Lebensräume ist die Ribeira do Vascão, die natürliche Grenze zwischen Ostalgarve und Alentejo. Das Flüsschen fließt in siedlungsfreier Umgebung durch ein mit Mischwald bewachsenes Tal, dessen ökologische Gesamtsituation als beispielhaft gilt. Nahes Gelände zwischen Mértola und Alcoutim, das seit den Waldbränden 2004 erodierte, wird derzeit durch den Worldwide Fund for Nature (WWF) aufgeforstet. Luís Silva leitet diese Arbeiten. Der Forstingenieur erläutert, eine nachhaltige Bepflanzung mit Büschen und Bäumen spende auch den Schatten, der das Wasser vor Überhitzung schützt: ,,Hier müssen Experten verschiedener Disziplinen zusammenarbeiten.” Der saramugo wäre nicht der erste Fisch, der durch Einflüsse der Zivilisation aus den Binnengewässern von Algarve und Alentejo verschwindet. In den 1970er Jahren holten Angler die letzten Störe aus dem Guadiana. Wenn im kommenden Jahr in Mértola unter Federführung des ICNB das Fischforschungszentrum (Pólo Ictiológico do Guadiana) die Arbeit aufnimmt, soll auch der Stör wieder angesiedelt werden, verspricht der Biologe Pedro Rocha.
Henrietta Bilawer

ESA 05/10

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