Amsel

Die Amsel

Turdus merula

Die Amsel ist eine der häufigsten Vertreterinnen der Familie der Drosseln in ganz Europa. Auch in Portugal mit immergrüner Vegetation erfreut das schwarz gefiederte Männchen im Frühling den Menschen mit seinem melodischen Flötengesang

Text: DR. MANFRED TEMME

Die Amsel, in manchen Landstrichen Deutschlands wird sie auch Schwarzdrossel genannt, gehört europaweit zu den wohl bekanntesten Vogelarten. Ein Grund dafür ist, dass sich der einst sehr scheue Waldbewohner im Laufe einer recht interessanten Entwicklung, die vor rund einhundert Jahren begann, zunehmend auch in Parks und Gärten ansiedelte. Heute ist er ein Allerweltsvogel der Dörfer und Städte geworden, der selbst einem Spaziergänger kaum noch ausweicht. Wie viele andere Vogelarten hat auch die Amsel festgestellt, dass es sich in der Nähe des Menschen ganz gut leben lässt. Nur dort, wo sie verfolgt wird, bleibt sie scheu. Ornithologen haben mit Hilfe von Zählungen festgestellt, dass die Amsel in Deutschland im Vergleich mit anderen europäischen Ländern zahlenmäßig an der Spitze steht. Allerdings wird der aufmerksame Beobachter auch ganz subjektiv den Eindruck bestätigen können, dass in Portugal Amseln ebenfalls zahlreich vorkommen. Hingegen fällt die Art wegen der ganzjährigen Belaubung der Vegetation nicht so stark auf. Zur Brutzeit kann man sich in der Algarve frühmorgens an dem angenehmen flötenartigen Gesang des schwarzgefärbten Männchens erfreuen. Dieser melodiöse Gesang der Amsel hat ihr den Ruf als besonders begabt in der Schöpfung und Modulation von Strophen und Motiven verschafft, die für das menschliche Gehör eingängig und gefällig wirken. Das schwarze Gefieder der männlichen Amsel (Schwarzdrossel) hat auch im Englischen und im Portugiesischen zu ihrem Namen verholfen: Sie ist jeweils als Blackbird und als Melro-preto bekannt. Vom tiefen Schwarz kontrastieren sehr schön der sattgelbe Schnabel und der Lidring. Die mehr dunkelbraunen Weibchen werden von vogelkundlich unerfahrenen Menschen auch schon mal für eine andere Drosselart gehalten. In Südeuropa beginnt die Amsel aufgrund des milden Klimas oft schon im Februar mit dem Nestbau. Dafür werden zuerst gröbere Pflanzenmaterialien benutzt und vielfach mit Lehm verklebt. Für den weichen Innenausbau werden dann Tierhaare, gelegentlich auch Fäden von der Washingtonia-Palme gewählt. Erwachsene Amseln gelten als Allesfresser, ernähren sich von Würmern, Insekten, allerlei Weichtieren, aber auch Brot und Obst. Die drei bis fünf grünlichen Eier werden zwei Wochen lang bebrütet und nach etwa zwei Wochen Fütterung mit Insekten, verlassen die halbflüggen Jungvögel das versteckt angelegte Nest. Sie sind dann anhand der Bettelrufe noch längere Zeit in der Umgebung wahrzunehmen. Ziemlich regelmäßig wird kurz nach Flüggewerden der ersten Jungen mit einer zweiten Brut begonnen.

 

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