Monchique als Muse

Impressionen
Monchique als Muse

Ab Ende dieses Monats ist in Lagos die Ausstellung „Impressões“ der deutschen Künstlerin Gudrun Bartels zu sehen. Als Inspiration diente ihr die Landschaft des Monchique-Gebirges

Gudrun begrüßt mich auf ihrer nach Süden gerichteten Terrasse hoch oben in der Serra de Monchique. Die Sonne strahlt und der Himmel ist klar. Der Blick reicht über die grünen Hügel der Serra bis zum Arade-Fluss und zum Atlantik. Rund um das Haus stehen imposante Korkeichen und Eukalyptusbäume. Blühende Aloe Vera und leuchtend gelber Sauerklee stechen aus der sonst grünen Landschaft hervor. Vor meinen Augen liegt Gudruns Inspirationsquelle.
Erstmals besuchte Gudrun Bartels Portugal kurz nach der Nelkenrevolution. Die Bremerin bereiste damals die gesamte Westküste und war von den Landschaften fasziniert. „Da ich aus dem Flachland komme, machten die Felsen einen unglaublichen Eindruck auf mich“, erinnert sie sich. Doch nicht die Westküste, sondern das Monchique-Gebirge, das sie erst Ende der 80er Jahre entdeckte, sollten ihr Leben und ihre Kunst für immer verändern. Seit den 1990ern gönnt sie sich regelmäßig einen zirka dreimonatigen Aufenthalt in der Serra de Monchique. Eine Auszeit, um sich inspirieren zu lassen und um neue Werke zu schaffen, denn „nur hier in der Serra finde ich die Ruhe und die Muse zum Malen und kann meine Kunst ausleben. Ich kann hier stundenlang sitzen“, sagt sie während sie die Augen über die Umgebung schweifen lässt, „Danach habe ich Tausende Bilder im Kopf, die ich alle umsetzen will.“
Gudruns Gemälde sind jedoch keine realistischen Landschaftsbilder. Ihre Vorliebe gilt den Details der Natur: die poröse Rinde einer Korkeiche, die abblätternde Rinde eines Eukalyptus, die Blüten der Mimosen oder Flechten an einer alten Mauer. Aber auch der durch die unterschiedlichen Lichtverhältnisse sich ständig ändernde Horizont und der in der Ferne schimmernde Atlantik sowie die grafischen Muster der Azulejos haben es der Künstlerin angetan und sie sind oft in ihren Gemälden wieder zu finden. Im Allgemeinen sind ihre mit Acrylfarben, Pastellkreide und Pigmenten gemalten Bilder sehr grafisch und geometrisch und werden von Streifen und Linien beherrscht. Doch das war nicht immer so. Noch während des Studiums der Kunst und Pädagogik an der Universität Göttingen waren Gudruns Bilder naiv. Mit der Zeit hat sie sich dann immer weiter von der realistischen Malerei entfernt und wurde zunehmend grafischer und geradliniger. „Zurzeit sind die Streifen fast wieder verschwunden“, so Gudrun lächelnd.
Bei Ausstellungen, vor allem in Deutschland, steht neben ihren Gemälden zur Wiedererkennung ein Foto dessen, was sie gemalt hat. Der Künstlerin geht es aber keineswegs darum, dass der Betrachter das sieht, was sie wiedergeben oder vermitteln wollte. Malen macht ihr Spaß und der Betrachter soll ebenfalls Spaß an ihren Bildern haben. „Wenn er dann noch etwas sieht, dass ihn persönlich anspricht, auch wenn es nur die Farbkombination sein sollte, umso besser“, so Gudrun, für die es immer wieder spannend ist zu hören, was die Betrachter in ihren Werken erkennen.

Parallel zur Malerei macht Gudrun auch Kollagen und Lithografien. Ihre akribisch zusammengestellten bunten Kollagen stellen die heutige Konsumwelt dar sowie den Lebensstil, der uns über Werbung, Magazine und Fernsehen vermittelt wird. Die Linien über den Kollagen, die eine Art Gitter oder Spinnwebe darstellen, sollen eine gewisse Distanz zwischen dem Betrachter und den Kollagen aufbauen und Ersteren einen kleinen Denkanstoß geben, wie zerbrechlich die Konsumwelt ist. „Daher sollte man mit der Welt, der Natur, so vorsichtig wie mit einer Spinnwebe umgehen“, so Gudrun.
Für ihre Lithographien besuchte die Künstlerin eine Ausbildung in druckgrafischen Techniken in einer renommierten Werkstatt für Druckgrafik nahe Dortmund, denn die handwerkliche Grundlage ist ihr genauso wichtig wie die künstlerische. Derzeit arbeitet sie an einer Serie zum Thema Blätter, in der sie Blätter von Bäumen aus Portugal und Deutschland nebeneinander stellt.
Auf die Frage, welche der künstlerischen Tätigkeiten sie bevorzugt, antwortet Gudrun nach kurzer Überlegung: „Die Malerei ist für mich die wichtigste Ausdrucksmöglichkeit. Die Drucke und vor allem die Kollagen sind spannende Ergebnisse, die ebenfalls ihren Stellenwert haben, aber nicht in der selben Regelmäßigkeit von mir ausgeführt werden wie die Malerei.“

Text & Foto: Anabela Gaspar
In ESA 03/16

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