Mehrwertsteuer

Mini-unternehmer im portugiesischen Steuerrecht

Wie in jedem EU-Staat, so gibt es auch in Portugal die steuerliche Regelung des Mini-Unternehmers. Die entsprechenden gesetzlichen Bestimmungen ergeben sich aus dem Mehrwertsteuer Gesetz. Hiernach ist gemäß Artikel 53 festgelegt worden, dass Unternehmer mit weniger als e 10.000 Jahresumsatz nicht der Mehrwertsteuer unterliegen. Zu beachten ist, dass Vorsteuer logischerweise dann nicht geltend gemacht werden kann.

Obwohl sich diese Regelung doch recht einfach anhört, gibt es hierzu ein Rundschreiben der Finanzverwaltung von fast 8(!) Seiten (Ofiçio Circulado No. 30138/2012 vom 27.12.2012). Hier werden diverse, in der Praxis vorkommende Fälle beschrieben, mit den entsprechenden steuerlichen Würdigungen. Einige Beispiele aus der Praxis möchte ich anführen, um zu wissen, was bei der Gewerbeanmeldung als Mini-Unternehmer zu beachten ist:

Beispiel 1: Wie wird der Jahresumsatz berechnet im Jahr der Gewerbeanmeldung: Anmeldung zum 1.8.2013, geschätzter Umsatz August bis Dezember 2013: e 3.000. Lösung: Der hochgerechnete Jahresumsatz beträgt e 7.200 (e 3.000 x 12:5). Der Jahresumsatz liegt unter e 10.000; somit liegt Miniunternehmerschaft vor.

Beispiel 2: wie Beispiel 1, der tatsächliche Umsatz bis zum 31.12.2013 beträgt jedoch e 4.000. Lösung: Der hochgerechnete Jahresumsatz beträgt jetzt effektiv e 9.600 (e 4.000 x 12:5). Der Jahresumsatz liegt jedoch immer noch unter e 10.000, somit liegt auch für das Jahr 2014 die Voraussetzung für die Miniunternehmerschaft vor.

Beispiel 3: wie Beispiel 1, der tatsächliche Umsatz bis zum 31.12.2013 beträgt jedoch e 5.000. Lösung: Der hochgerechnete Jahresumsatz beträgt jetzt effektiv e 12.000 (e 5.000 x 12:5). Der Jahresumsatz liegt somit über e 10.000. Für das Jahr 2013 bleibt die Mini-Unternehmerschaft bestehen, wird also rückwirkend nicht geändert. Für das Jahr 2014 liegen die Voraussetzungen für eine Miniunternehmerschaft nicht mehr vor. Bis zum 31.1.2014 muss eine Änderungserklärung dem Finanzamt eingereicht werden mit Wirkung vom 1.2.2014 (im Januar 2014 besteht noch keine Mehrwertsteuerpflicht, seit dem 1.2.2014).

Beispiel 4: wie Beispiel 1, der tatsächliche Umsatz August 2013 bis September 2013 beträgt jedoch bereits effektiv e 15.000. Lösung: Der Umsatz liegt bereits in 2 Monaten über e 10.000, die Umsatzgrenze ist überschritten. Trotzdem bleibt die Miniunternehmerschaft für das Jahr 2013 bestehen. Bis zum 31.1.2014 muss eine Änderungserklärung dem Finanzamt eingereicht werden mit Wirkung vom 1.2.2014. Wie in Beispiel 3 besteht im Januar 2014 noch keine Mehrwertsteuerpflicht, erst ab dem 1.2.2014.

Beispiel 5: Bei der Gewerbeanmeldung zum 1.2.2013 wurde der Umsatz für 11 Monate geschätzt auf e 9.900. Lösung: Es ergibt sich ein hochgerechneter Jahresumsatz von e 10.800 (e 9.900 x 12:11). Die Miniunternehmerschaft liegt nicht vor (Umsatz über e 10.000); es gelten die normalen Regeln des Mehrwertsteuergesetzes.

Beispiel 6: wie Beispiel 5, der tatsächliche Umsatz betrug per Dezember 2013 jedoch effektiv nur e 8.800. Dies entspricht einem hochgerechneten Umsatz von e 9.600 (e 8.800 x 12:11). Lösung: Im Jahre 2013 liegt keine Mini-Unternehmerschaft vor. Für das Jahr 2014 kann (muss nicht) bis zum 31.1.2014 die Einschreibung als Mini- Unternehmer beantragt werden. Diese Änderung gilt ab dem 1.1.2014 (nicht wie in den Beispielen 3 und 4 ab dem 1.2.2014). Hier nochmals mein Hinweis, es muss keine Änderung beantragt werden.

Beispiel 7: Gewerbeanmeldung im Jahre 2012; Mini-Unternehmerschaft liegt nicht vor. Es erfolgte die Abmeldung des Gewerbes zum 28.2.2013. Zum 1.12.2013 soll das Gewerbe wieder neu angemeldet werden. Lösung: Die Wiederanmeldung erfolgte vor Ablauf von 12 Monaten. In diesen Fällen ist ausschließlich die zuletzt gültige Mehrwertsteuereinschreibung maßgebend. Die e 10.000-Grenze ist nicht gültig. Liegt jedoch der Umsatz im Dezember 2013 unter e 833,3 (hochgerechnet also unter e 10.000), kann bis zum 31.1.2014 die Behandlung als Mini-Unternehmer beantragt werden (mit Wirkung vom 1.1.2014).

Beispiel 8: Gewerbeanmeldung zum 1.1.2012, geschätzter hochgerechneter Umsatz bei Gewerbeanmeldung e 6.000. Es erfolgte Einschreibung als Mini-Unternehmer. Zum 31.10.2012 wurde das Gewerbe abgemeldet. Der effektiver Umsatz 1.1. – 31.10.2012 betrug e 12.000. Zum 1.3.2013 erfolgte wieder Neuanmeldung des Gewerbebetriebes. Lösung: Eine Einschreibung als Mini-Unternehmer ist nicht möglich, denn im Vorjahr 2012 betrug der Umsatz mehr als e 10.000. Erst wenn der effektive Umsatz 1.3. – 31.12.2013 unter e 8.333 liegt (hochgerechnet e 8.333 x 12:10 = unter e 10.000), kann Mini-Unternehmerschaft bis 31.1.2014 beantragt werden (mit Wirkung vom 1.1.2014).

Bevor Sie ein (noch so kleines) Gewerbe anmelden, lassen Sie sich beraten. Es geht nicht nur um Mini-Unternehmerschaft sondern auch noch um Gewinnermittlungsarten (z.B. vereinfachtes Verfahren), die Frage der Sozialversicherungspflicht, etc. Dies alles sollte vorher geklärt sein, nachher kann vieles zu spät sein.

Heinz Dieter Hünermund

ESA 12/13

Share.

Comments are closed.