Besteuerung in Portugal

Von ausländischen Einkünften aus Zinsen, Dividenden und Aktienverkäufen

Beispiel: Ein in Portugal ansässiger Deutscher kaufte im November 2008 über seine Bank in Deutschland 1.000 Daimler-Aktien zum Preise von e 25/pro Aktie und im August 2009 100 Anleihen à 99,90 % des Freistaates Bayern mit einer Verzinsung von 3,25 %. Seiner Bank teilte er im November 2008 mit, dass er in Portugal seinen ständigen Wohnsitz habe und somit in Deutschland nicht steuerpflichtig sei. Im Jahre 2013 wurden dem deutschen Bankkonto gutgeschrieben an Dividende der Daimler-Aktien € 2,20 x 1000 = € 2.200, an Abgeltungsteuer wurde einbehalten in Deutschland 26,25 % = € 577,50. Netto dem Bankkonto gutgeschrieben wurden somit € 1.622,50. Die Abgeltungsteuer beinhaltet 25 % Einkommensteuer und 5,5 % Solidaritätszuschlag. Im November 2013 wurden gutgeschrieben € 325 Zinsen aus der Bayern-Anleihe. Ein Steuerabzug erfolgte nicht. Im Dezember 2013 wurden die Wertpapiere verkauft, die Daimler Aktien zu je € 60 pro Stück, insgesamt € 60.000 abzüglich der Verkaufskosten, die Bayern-Anleihe zu e 105 pro Anleihe, insgesamt € 10.500 abzüglich der Verkaufskosten. Steuereinbehalte aus den Wertpapierverkäufen erfolgte in Deutschland nicht. Steuerliche Behandlung: Nach portugiesischem Steuerrecht müssen generell unbeschränkt steuerpflichtige in Portugal ihr gesamtes bezogenes Welteinkommen versteuern, beschränkt steuerpflichtige versteuern nur das in Portugal bezogene Einkommen. Hinsichtlich der Einkünfte aus Kapitalvermögen aus Deutschland hat das Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Portugal und Deutschland festgelegt, dass Dividenden und Zinsen sowie Veräußerungsgewinne bei Wertpapieren im Wohnsitzstaat (hier Portugal) zu versteuern sind. Hinsichtlich der Dividendenzahlungen wurde festgelegt, dass Deutschland jedoch ein Anteil von 15 % der Dividendeneinnahmen als Steueranteil zugesprochen wird. Dividenden: Aufgrund besonderer gesetzlicher Bestimmungen werden die Dividendeneinnahmen nur zu 50 % besteuert. Weiterhin und wie oben dargelegt, steht Deutschland ein Anteil von 15 % der Dividendenauszahlung an Einkommensteuer zu. Hinsichtlich des Mehrbetrages i.H.v. 11,25 % in o.a. Beispiel kann beim Bundeszentralamt für Steuern, D-53221 Bonn entsprechende Erstattung beantragt werden. Die verbleibenden in Deutschland gezahlten 15 % Kapitalertragsteuer können bei der portugiesischen Einkommensteuererklärung als „im Ausland gezahlte Steuern“ geltend gemacht werden. Somit wird die Doppelbesteuerung vermieden. Hinsichtlich der Anrechnung der in Deutschland gezahlten 15 % Kapitalertragsteuer werden jedoch in Portugal Abzüge gemacht. Die Berechnung dieser Abzüge ist Finanzakrobatik, kann an dieser Stelle leider nicht erläutert werden. Die Dividenden (zu 50 %) und Steuereinbehalte sind in dem Feld 420 der Anlage J zur Einkommensteuererklärung anzugeben. Zinsen: Die Zinsen aus Obligationen sind voll in Portugal zu versteuern und zu erklären im Feld 408 der Anlage J. Veräußerungsgewinn Aktien: Der Gewinn errechnet sich aus dem Differenz- betrag zwischen Verkaufspreis abzüglich Verkaufskosten und dem Einkaufspreis. Jetzt aber die Besonderheit des Art. 48 Buchst. a CIRS: Wenn der Kaufpreis der börsennotierten Wertpapiere nicht dokumentiert werden kann, wird als Anschaffungskosten angesetzt der niedrigste Börsenwert der letzten 2 Jahre vor dem Verkauf. Die unterschiedlichen Werte entnehmen Sie der Tabelle. Demnach müssen also € 25.750 versteuert werden, wenn der eigentliche Kaufbeleg nicht mehr vorhanden ist. Der Gewinn ist anzugeben in dem Feld 414 der Anlage J. Anträge: Hinsichtlich der genannten Einkünfte hat man jetzt die Wahl, ob normale oder gesonderte Besteuerung erfolgen soll. Bei der normalen Besteuerung werden die einzelnen Einkünfte mit einbezogen und zusammen gerechnet, der Steuersatz richtet sich nach der Höhe des Einkommens und ist gestaffelt in der Spitze bis zu 48 % zzgl. 3,5 % Zusatzsteuer und 2,5 % bzw. 5 % Solidaritätsabgabe. Bei der gesonderten Besteuerung werden die im Beispiel genannten Einkünfte pauschal und linear mit 28 % (ohne 3,5 % Zusatzsteuer und 2,5 % bzw. 5 % Solidaritätsabgabe) besteuert. Dies ist jetzt eine Rechenaufgabe; im Beispiel wäre es günstiger, die pauschale Besteuerung zu beantragen.

Heinz Dieter Hühnermund

ESA 01/14

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