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INTERVIEW

Säuberungsaktion
Der Kampf um die Stimmen bei den Kommunalwahlen 2009 in Faro war hart. Macário Correia gewann mit nur knapp 140 Stimmen. Seine Amtszeit war bislang eher unruhig. Doch der Sozialdemokrat, der in den 80er Jahren Regierungsmitglied war und zuletzt zwölf Jahre in Tavira herrschte, lässt sich, wie ESA-Redakteurin Anabela Gaspar feststellen konnte, nicht aus der Fassung bringen
ESA: In welchem Zustand haben Sie die Gemeinde von Faro vorgefunden? Macário Correia: Finanziell gesehen ist das Rathaus in einer sehr schwierigen Lage. Und die Daten sind noch von 2008. Sobald wir die aktuellen Daten dem Jahr 2009 hinzugefügt haben, wird sich die Situation als noch schlimmer erweisen. Unter anderem haben wir kommunale Unternehmen, die hoch verschuldet sind und Millionen in ausgestellten Rechnungen, die noch nicht bezahlt sind. Wir müssen mit dem Staat und den Banken einen Plan zur Wiederherstellung des finanziellen Gleichgewichtes ausarbeiten. Die Sanierung der Finanzen des Rathauses ist natürlich ein langfristiger Plan. Auch organisatorisch sieht es sehr schlecht aus. Doch hier sind wir bereits dabei neue Regelungen und Normen einzuführen, die dazu dienen sollen, die Verwaltung transparenter zu machen. Wie groß ist denn genau das finanzielle Loch? Zirka 90 Millionen Euro. Fast 30 Millionen Euro nicht bezahlter Rechnungen, weitere 40 Millionen in mittel- und langfristigen Anleihen und die Schulden der kommunalen Unternehmen belaufen sich auf zirka 20 Millionen Euro. Welche Maßnahmen wurden getroffen oder sind geplant, um eine Sanierung der Gemeindekasse zu erreichen? Eine Kürzung der Betriebskosten und mit den Banken soll eine Frist-Verlängerung der Anleihen verhandelt werden. Natürlich muss auch mehr Geld hereinkommen, deshalb haben wir die kommunalen Steuern erhöht und Steuern kassiert, die viele seit Jahren dem Rathaus schuldig geblieben sind. Es geht hauptsächlich darum, dass jeden Monat die Einnahmen höher als die Ausgaben sein müssen, was derzeit leider noch nicht der Fall ist. Wurden diese Maßnahmen unter der Bevölkerung gut aufgenommen? Namentlich die Erhöhung der Steuern? Ja. Die Erhöhung wurde abgestimmt und problemlos eingeführt. Auch weil das Rathaus seit 11 Jahren die Steuer-Tabelle nicht aktualisiert hatte und sich alle bewusst waren, dass dies eine notwendige Änderung ist. Welche Projekte sind für Sie, nach der Sanierung der Finanzen, vorrangig? In Faro, obgleich Hauptstadt der Region, mangelt es an Infrastruktur. In erster Linie müssen Projekte aufgenommen werden, die wegen fehlender Zahlung nicht beendet wurden. Die Projekte der nördlichen Variante und der Zufahrten zur Stadtmitte müssen fortgesetzt werden. In Penha ist eine Sporthalle notwendig. Dann müssen dringend Investitionen in Yachthäfen gemacht werden. Und verschiedene Stadtteile, die derzeit schmutzig und unorganisiert sind, müssen verbessert werden. Eine öffentliche Investition wird nicht einfach sein, da das Rathaus nicht über die finanziellen Mittel verfügt. Doch durch private Investoren werden wir einen qualitativen Städtebau sichern. In der Vergangenheit wurden Projekte genehmigt, die für die Stadtteile nicht von Vorteil waren. Hier eine Lösung zu finden ist schwer. Dort, wo es möglich ist, werden wir eingreifen. Vor allem werden aber in Zukunft nur Projekte genehmigt, die für die Qualität der Stadt einen Sinn machen. Welche touristischen Projekte sind geplant? Wir sind derzeit dabei, öffentliche Wettbewerbe für zwei Hotels zu organisieren. Diese sollen auf städtische Grundstücke gebaut werden oder in Gebäuden der Kommune, die wir verkaufen werden. Ein weiteres Projekt für das Innenland des Bezirks wurde eingereicht und zudem gibt es noch einige Initiativen, die noch nicht so weit fortgeschritten sind, aber die wir hoffen so schnell wie möglich umgesetzt zu sehen. Faro braucht Hotels. Für eine Stadt, die einen internationalen Flughafen hat, hat Faro zu wenig Betten. Die Insel von Faro ist eine der touristischen Zonen von Faro. Wie auf den anderen Inseln der Ria Formosa, ist auch hier der Abriss von Häusern vorgesehen. Für wann ­ und glauben Sie, dass dies ohne Vorfälle ablaufen wird? Diese Angelegenheit wird vom Umweltministerium geleitet. Das Rathaus von Faro verfolgt mit großem Interesse den Plan, welchen das Ministerium und die Sociedade Pólis (Zuständige Organisation für die Küstensanierung) ausgearbeitet haben, und wenn die Zeit gekommen ist, werden die Risikosituationen gelöst werden müssen.

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Wir können nicht weiterhin jeden Winter die Feuerwehr auf der Insel haben, um zu sehen, ob das Wasser die Häuser davon schleppt oder nicht und die Bewohner gefährdet sind. Die Stadt muss geschützt werden, der Flughafen muss geschützt werden, und dafür sind die vorgelagerten Inseln nötig. Wir können nicht weiter zulassen, dass die Dünen zerstört werden und dadurch die Stadt in Gefahr ist. Welche andere Projekte sind im Rahmen des Pólis für die Uferzone vorgesehen? Unter anderem ist die Sanierung der Uferzone bei Pontes de Margil, neben dem städtischen Theater, vorgesehen. Ich hoffe, dass diese Bauarbeiten noch dieses Jahr beginnen. Diese Uferzone war in den letzten Jahren vollkommen verlassen und verwüstet und sollte dringend saniert werden. Einer der Probleme des Rathauses sind die Kosten des Algarve-Stadion. Sie bezeichneten das Stadion als Krebs. Wieso? Krebs ist eine Krankheit, die den Körper immer weiter angreift, wenn er nicht rechtzeitig diagnostiziert und beseitigt wird. Der ,,gesundheitliche Zustand” des Rathauses wird de facto durch das Algarve-Stadion sehr beeinträchtigt. Täglich müssen wir 2.500 Euro für seine Wartung und den Betrieb ausgeben. Das Stadion ist nicht das Ergebnis eines durchdachten Bauplans, der auch andere Nutzungsmöglichkeiten einschließt. Rund um das Stadion gibt es nichts, und dies macht die Situation noch schwieriger. Wir brauchen ein reges Veranstaltungsprogramm für das Stadion, das eine regelmäßige Geldeinnahme ermöglicht. Dann kam noch dazu, dass die Algarve keine Fußballmannschaft in der Ersten Liga hatte. Olhanense ist letztes Jahr wieder aufgestiegen und Portimonense dieses Jahr. Olhanense will das Stadion nicht benutzen. Bevorzugt es, im eigenen Stadion in Olhão zu spielen. Das Team von Loulé spielt im Algarve-Stadion, hat aber nicht so

viele Anhänger. Farense spielte dort, aber da nicht genug Publikum hinfuhr, und es sich nicht rechnete, spielen sie nun wieder im São Luís Stadion in Faro. Der Farense-Verein befindet sich in einer finanziell schwierigen Lage und sein Präsident sagte vor kurzem, dass der Verein ohne die Unterstützung des Rathauses nicht überleben kann. Wird das Rathaus den Verein unterstützen? Wir geben dem Verein die Unterstützung, die uns möglich ist zu geben. Wenn ich Schwierigkeiten habe die Gehälter der Angestellten des Rathauses zu zahlen, kann ich mit dem bisschen Geld, das wir haben, nicht Farenses Schulden quittieren. Das werden sie ja wohl verstehen können.

Wir sind dabei, öffentliche Wettbewerbe für zwei Hotels zu organisieren
In diesem Monat wird das internationale Motorrad-Treffen stattfinden. Wird dieses Event die Unterstützung der Câmara haben? Die Câmara hat das Motorrad-Treffen immer unterstützt und wird es auch weiterhin machen, was die Logistik und Organisation des Treffens betrifft. Es handelt sich ohne Zweifel um das Event, das am meisten den Name Faro international bekannt macht und verdient deshalb unsere Unterstützung. Sie erwähnten, dass rund um das Stadion eine Wüste ist. Dort soll das neue regionale Krankenhaus gebaut werden. Ein Prozess, der kompliziert erscheint. Wie sehen Sie das? Die Regierung kommt mit diesem Projekt einfach nicht voran. Die offizielle Zeremonie der Grundsteinlegung war schon vor einigen Jahren. Davon gibt es auch eine Videoaufnahme, sonst nichts. Danach lief gar nichts mehr. Derzeit sollen die beiden

möglichen Bauunternehmen in Verhandlungen sein. Doch die Zeit vergeht und nichts geschieht. Die Algarve braucht dringend dieses Krankenhaus und wenn es mal endlich soweit sein sollte, wird es viel zu spät sein. Die Europäische Investitionsbank zeigte sich vor kurzem dazu bereit, das Projekt mitzufinanzieren. Gibt Ihnen das Anlass zur Hoffnung, dass es nun schneller gehen könnte? Die wirtschaftliche Lage des Staates ist derzeit sehr schlecht. Den Privaten geht es auch nicht besser. Große Investitionen brauchen einen finanziellen Hintergrund, der gründlich analysiert werden muss. Faro und Loulé, sowie die gesamte Region haben Interesse, dass das Projekt so schnell wie möglich umgesetzt wird. Doch die Regierung gibt uns wenig Information und zögert das Projekt immer weiter hinaus. Wir verlieren zu viel Zeit mit einer Angelegenheit, die lebenswichtig ist. Sie waren drei Amtsperioden in Folge in Tavira Bürgermeister. In Faro ist die Wiederwahl eines Bürgermeisters selten. Das Gesetz erlaubt mir nur drei Amtsperioden. Das bedeutet, dass Sie fest davon überzeugt sind, dass Sie wiedergewählt werden? Dafür arbeite ich derzeit. Eine letzte Frage zur aktuellen wirtschaftlichen Lage des Landes. Stimmen Sie den zuletzt angekündigten, zusätzlichen Sparmaßnahmen der Regierung zu? Die Regierung muss die öffentlichen Ausgaben drastisch reduzieren. Der Staat gibt einfach viel zu viel Geld mit sich selbst aus. Die Ausgaben müssen gekürzt werden, damit die Investitionen erhöht werden können. Was derzeit geschieht, ist dass die Regierung nur die Investitionen kürzt und Kürzungen bei den Ausgaben für die Regierung selbst nicht bekannt oder ersichtlich sind. Doch genau über diese müsste die Bevölkerung informiert werden. Danke für das Gespräch. 21

Fotos: Anabela Gaspar

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