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PROJEKTE

Umstrittene Bauvorhaben
Immer wieder heben sich die Stimmen der Umweltschützer gegen Tourismusprojekte in der Algarve. Investoren sprechen von Vereinigung mit der Natur, Umweltschützer von Umweltattentaten. Ziel beider Fronten ist es, die Zukunft der Region zu sichern. Doch ihre Interessen kollidieren
von ANABELA GASPAR ieser Jahresbeginn ist im Bereich Tourismus durch den Baustart der Tourismusanlage Quinta da Ombria, nahe Querença und Tôr im Bezirk Loulé, geprägt. Obgleich die Verantwortlichen der regionalen Entwicklungskommission CCDR dem Projekt noch nicht ihre endgültige Zustimmung gegeben haben, war sogar der Staatssekretär für Tourismus, Bernardo Trindade, bei der Ankündigung des Baustarts anwesend und lobte die Anlage. Die Einhaltung von sechs Punkten der Umweltstudie muss noch durch die CCDR überprüft werden, doch die für die Quinta da Ombria zuständige finnische Gruppe Pontos scheint sich ziemlich sicher zu sein, diese eingehalten zu haben und die Baugenehmigung zu erhalten. Insgesamt sollen 200 Mio. Euro investiert werden. Zuerst sollen der 18-Loch Golfplatz und das Klubhaus gebaut werden. Der Bau des 5-SterneHotels wird erst dann beginnen, wenn die Gruppe einen Partner für dessen Verwaltung gefunden hat. Die drei Feriendörfer und die 31 Villen, die zum Projekt gehören, sollen in drei Phasen entstehen, so dass die gesamte Anlage erst 2018 fertig sein wird. Die Entwicklung der Anlage kann unter www.quintadaombria.pt verfolgt werden. Laut dem Präsidenten der Gruppe, Ilpo Kokkila, wird die bebaute Fläche lediglich fünf Prozent der Gesamtfläche ausmachen, da ,,die Quinta da Ombria ein Projekt ist, das die Natur, in der es sich befindet, respektiert”. Hélder Martins, Direktor der Anlage und ehemaliger Vorsitzender der regionalen Tourismusbehörde RTA fügte hinzu, dass ,,die Natur die Visitenkarte der Anlage sein soll”. Doch genau dies ist der Streitpunkt zwischen den Bauträgern und den Umweltschützern und führte sogar zu einem Veto seitens der EU-Kommission. Quinta da Ombria soll auf 144 Hektar inmitten eines NATURA 2000-Schutzgebietes gebaut werden, zu dem auch der geschützte Bereich der Fonte Benémola gehört. Das Genehmigungsverfahren der Anlage dauerte über 20 Jahre und verlief nicht friedlich. Obgleich die Regierung im Jahr 2004 die Umweltstudie des Projektes unter Auflage einiger Bedingungen genehmigte, legte der Naturschutzverein LPN wegen Verstoß gegen die europäischen Gewässer- und Habitats-Richtlinien eine Klage in Brüssel ein. Die bei der Wartung des Golfplatzes benutzten Dünger und Pflanzenschutzmittel würden für die Wasserqualität des Aquifers von QuerençaSilves, der größten unterirdische Wasserreserve der Region, ein Risiko darstellen. Zudem seien 8 auch einige unter Schutz stehende Tierarten, darunter Fledermäuse, gefährdet. Zwei Jahre später gab die EU-Kommission den Umweltschützern Recht und legte gegen Portugal eine Klage beim Europäischen Gerichtshof ein. Der Prozess wurde noch nicht ad acta gelegt. Auch die Ernennung zum Projekt nationalen Interesses (PIN) war nicht einfach. Nachdem der Antrag zuerst abgelehnt wurde, nutzten das Rathaus und der Stadtrat von Loulé die Zeit bis Inkrafttreten des regionalen Raumordnungsplans PROTAL (s. ESA 9/07), um noch bis zur letzten Minute bei der CCDR einen neuen Bezirksraumordnungsplan (PDM) und eine Baugenehmigung einzureichen. Selbst die Regierung ernannte noch einige Projekte, darunter Quinta da Ombria, zu PINs, und umging somit die Regeln des neuen PROTAL. Eine weitere Gruppe, die für große Aufregung unter Umweltschützern sorgt, ist die Gruppe Imoholding. Dessen Vorsitzender scheint eine besondere Vorliebe für Naturschutzgebiete zu haben. Nach seinem Versuch in der Ria de Alvor zu bauen, wandte Aprígio Santos sich nun Foz do Almargem zu. Dies ist einer der letzten Pinienwälder der Algarve-Küste, der zwischen Quarteira und Vale do Lobo liegt und zu dem eine sieben Quadratkilometer große Lagune gehört. Der PDM von Loulé sieht für die Zone lediglich den Bau von zwei Strandlokalen vor, doch derzeit wird er überarbeitet. Deshalb hatte der Naturschutzverein Almargem zu einer Debatte aufgerufen, an der auch das Rathaus von Loulé und ein Vertreter von Imoholding teilnahmen. Bürgermeister Seruca Emídio garantierte, dass die Câmara die Lagune und die umliegenden Grundstücke schützen will. Alexandra Costa von Imoholding informierte, dass die Gruppe eine Studie durchführen lassen wird, um die Umweltbedeutung der Fläche festzustellen, weiters welche Bauvorhaben dort möglich sind, und sprach von einer Zusammenarbeit mit den Behörden. Almargem befürchtet, dass die Bauvorhaben von Imoholding unter dem Deckmantel ein PIN zu sein, doch umgesetzt werden können. Deshalb fordert der Verein, dass Foz do Almargem auf lokaler Ebene als Naturschutzgebiet eingestuft wird und das Rathaus den Pinienwald und die Lagune auch dementsprechend pflegt. In der Ria de Alvor hatte Imoholding Baupläne für das Wattgebiet Quinta da Rocha. Obwohl das Rathaus von Portimão keine Baugenehmigung erteilte, begann Imoholding Geländemodellie-

Tourismusanlage Quinta da Ombria

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rungen vorzunehmen, die zur Zerstörung der Vegetation führten (s. ESA 5/06). Nicht weit entfernt von Foz do Almargem ist seit 1999 ein Projekt geplant, den Umweltschützer als Todesurteil von Vilamoura bezeichnen: die Cidade Lacustre. Diese besteht aus drei Seen, die unter sich und mit der Marina verbunden sind und um die herum Hotels, Tourismusanlagen und Villen gebaut werden sollen; insgesamt sind 3.000 Betten geplant. Die Umweltstudie der Anlage wurde in der letzten Legislaturperiode ,,unter verdächtigen Konditionen” begutachtet, so der Naturschutzverein Almargem. Das Umweltministerium erlaubte nämlich, dass die Umweltstudie in Phasen durchgeführt wurde und die, welche genehmigt wurde, bezieht sich lediglich auf den Bau der drei Seen, ließ also

Laut Almargem, wurden bei der Genehmigung des Projektes alle Umweltkriterien missachtet

die zum Projekt dazugehörigen Immobilien aus. Nun stellt Almargem der neuen Umweltministerin Dulce Pássaro ein Ultimatum: sollte sie das Projekt genehmigen, ohne dass ,,der Schutz der natürlichen Werte” gewährleistet ist, wird Almargem eine Klage gegen den portugiesischen Staat beim europäischen Gerichtshof einreichen. Laut Luís Brás, Pressesprecher von Almargem, wurden bei der Genehmigung des Projektes alle Umweltkriterien missachtet. Und dies obwohl das Projekt die Überflutung der letzten fruchtbaren Grundstücke am Ufer der Ribeira de Quarteira vorsieht, was zu einer erhöhten Salzintrusion im Grundwasser führen und die Wasserressourcen angreifen wird. Zudem wird das Bauvorhaben eines der wichtigsten Wattgebiete in der ZentralAlgarve, den Caniçal de Vilamoura, beeinflussen. Dieser wurde von der internationalen Organisation zum Schutz von Vögeln, ihrer Lebensräume und der weltweiten Erhaltung der Artenvielfalt, der BirdLife International, als Important Bird Area eingestuft. Grund dafür war, dass im Caniçal de Vilamoura Vogelarten vorzufinden sind, die in Europa vom Aussterben bedroht sind: Purpurhuhn, Fischadler, Gleitaare, Kuhreiher, Purpurreiher, Zwergdommel und Wanderfalken. Für Almargem wuchern die Tourismusanlagen in der Region nach Lust und Laune der lokalen Politiker, der Immobilien- und der Bauunternehmen, welche die wahren Eigentümer der Algarve seien. Gleichzeitig sprechen Investoren und Politiker von nachhaltigem Tourismus, Entwicklung und Arbeitsplätzen. 9

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