Rüstzeug für Erfolge

Sportartikel-Hersteller in Portugal haben sich in Marktnischen etabliert und verkaufen Textilien und Sportgeräte in der ganzen Welt. Individuelle Herstellung garantiert auch kleinen Betrieben guten Erfolg

Athleten streben nach Medaillen. Ihr Erfolg hängt in schwer einschätzbarem Umfang auch von Wettkampfkleidung und -material ab, egal, ob textiltechnologische Vorteile des Anzugs eines Leistungsschwimmers zum entscheidenden Vorsprung beitragen oder einfach die Bequemlichkeit der Kleidung, die auch Freizeitsportler schätzen. Bei den Olympischen Spielen in Peking traten gleich neun internationale ReitsportEquipen in Anzügen an, die in Portugal entwickelt und hergestellt wurden: Der Sportkleider-Produzent Profato (www.gpa-profato.com) erhielt 1982 eine Auszeichnung als bester Textilhersteller des Landes; 25 Jahre später ging er in Konkurs. Dann kaufte der deutsche Unternehmensberater Dieter Klein das Werk und den Zuschneidebetrieb Supercorte und rettete fünfhundert Arbeitsplätze. Inzwischen genießen die Sporttextilien Weltruf.

Klein erstand die Fabrik zwar zum symbolischen Preis von einem Euro, übernahm damit aber einen Schuldenberg von 4,5 Millionen Euro. Die Spezialisierung auf spezifische Modelle hat Profato nun Verträge für zehn Jahre beschert. Zum Jahresende kann Klein einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro verbuchen und der Produktionsort Paços de Ferreira östlich von Porto ist dabei, seinen Titel ,,Hauptstadt der Möbelproduktion” um den Rang eines Zentrums für Sportkleidung und Sportartikel zu erweitern.
Wie Klein haben sich auch einige portugiesische Sportartikel-Produzenten erfolgreich in Nischen des Fitness-, Sport- und Trainingsmarktes etabliert. Die Firma M.A.R. Kayaks aus Porto (www.mar-kayaks.pt), in Peking mit 56 Kajaks vertreten, davon zwanzig siegreich, ist heute Weltmarktführer der Wettkampf-Sportpaddelboote. Firmenchef Manuel Ramos war selbst Spitzensportler und kennt die Anforderungen an die Kajaks aus der eigenen aktiven Zeit. Das war in den 1970er Jahren, als ,,in Portugal niemand solche Boote herstellte. Wir begannen, unsere Kanus selbst zu entwickeln”, berichtet Ramos. Seine Marke NeloCaiaques feiert gerade ihr 30-jähriges Bestehen.
Ramos entwickelt individuelle Kajaks, er bietet eine Bootsklasse für Frauen und Kajaks für leichte Athleten mit einem Körpergewicht von rund 65 Kilo. Fünf Kajakfahrer erkämpften in diesen Booten bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney Medaillen. Seither stellt Ramos jährlich 2.400 Kajaks für den internationalen Markt her. Am Lager bleibt davon keines. Die Arbeit ist ,,sehr personalintensiv; wir brauchen Spezialisten”. Die reisen mit den Sportlern zu den Wettbewerben: Kaum ein anderer Sportartikelhersteller betreut das Material seiner Kunden auch während der Wettkämpfe.

Von Zuspruch und namhafter Kundschaft berichtet ebenfalls die Textilfabrik Serralã im nordportugiesischen Trinta bei Guarda (www.serrala.pt). Der 500 Einwohner zählende Ort lebt seit 30 Jahren von und mit der Weberei. Seit 2002 entstehen Marken-Wolldecken mit den VereinsEmblemen der Fußball-Erstligisten Benfica Lissabon und Sporting Lissabon ausschließlich hier. Die Fabrikation beginnt in der eigenen Garnspinnerei, so Hausherr Vasco Costa Sousa: ,,Der Fußball bewegt Massen, dachten wir uns und haben erst mal zur Vereinsführung von Benfica Kontakte geknüpft”. Rasch kam es zur Erteilung der Lizenz für die Nutzung des Vereinssymbols, Sporting folgte.
Der FC Porto sei nicht interessiert, das ,,macht nichts. Die meisten Einnahmen bringen die Decken von Benfica”, so Sousa. Bestellungen kommen auch von Fans im Ausland. Eine Reisedecke fürs Auto kostet um die 14 Euro, die Wolldecke fürs Bett knapp 30 Euro, sie zeigt neben dem Vereinssysmbol ein Bild des Stadions. Jede Ballsport-Devotionalie trägt ein lizensiertes Etikett des Fußballklubs. Nach zehntausend verkauften Decken resümiert Sousa, das Geschäft sei nicht ganz so lukrativ wie erhofft, doch er ist sicher: Die enorme Verbreitung der Ware sei an sich schon Werbung genug und werde andere Auftraggeber aufmerksam machen. Dass an Spieltagen der ersten Liga fast alle Mitarbeiter für Benfica die Daumen drücken, behindere die Qualitätssicherung aller Erzeugnisse aber nicht.

HENRIETTA BILAWERESA
12/08

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