Licht, Leben, Farbe

Elsa Zorkow demonstriert mit ihren Werken den Grundsatz meisterlicher Malerei: Die Sprache eines Kunstmalers ist das Licht

Elsa Zorkow wurde an der Kunstakademie Brüssel ausgebildet, schloss erfolgreich ab, machte sich bald einen Namen, wurde mit Preisen ausgezeichnet. Die Liste ihrer Ausstellungen in führenden Galerien ganz Europas ist beeindruckend. In einem Gespräch mit der ESA im Atelier der Künstlerin lässt sie ihren Gedanken über die kommende Ausstellung freien Lauf.
ESA: Hat Ihre Ausstellung ein Konzept?
Elsa Zorkow: Ja. Leben. Meine Malerei, das bin ich, meine Gefühle, meine Ahnungen, meine Spannungen, meine Freude, meine Wehmut.
Dort hängt die Kopie eines etwas barockschwülstigen Gemäldes neben einem Werk, an dem Sie zurzeit arbeiten. Ist das barocke ein riesiges Foto?
Ich bitte Sie. Ich habe einen DIN A4-Druck in ein Raster aufgeteilt, dann in dieses Großformat hochgezogen, also alles selbst mit Öl gemalt. Das ist eine handwerkliche Übung, die man in der Akademie bestehen muss. Ein Klacks. Weit schwieriger ist es, die Ölfarben des 18. Jahrhunderts nachzumischen.
Na, wenn das ein Klacks ist… Steht dieses Gemälde im Rahmen eines übergeordneten Konzepts für Ihre Ausstellung in der Porca Preta?
Mit dem ,,Kopieren” möchte ich die ,,neuen Philosophien” in der Malerei verdeutlichen. So ist zum Beispiel Sex und Sexuelles kein Tabu mehr, wird nicht verschämt angedeutet, sondern offen gezeigt. Außerdem ist das Umfeld von Bedeutung und nicht idealisiert, früher also meist mit Himmel, Wolken, Bergketten, Tempeln. Heute steht das Objekt in seiner wirklichen Welt oder ist schlicht und einfach umhüllt von Farbe. Und die ist ein Ausdruck von Stimmung und Spannung. Heute wissen wir, dass alles Energie ist, wir wissen, dass die Energie vom Umfeld in das Malobjekt übergeht und umgekehrt. Dieses Wechselspiel ist Thema und Wesenszug meiner Bilder, ob es sich bei den Motiven nun um Blumen oder Menschen handelt. Es geht um die Natur der Dinge.
Gesichter sind häufig nicht erkennbar. Warum?
Früher wurden nahezu alle Bilder bestellt und bezahlt, ob von Kirche, König, Adel oder Großbürgertum. Die Besteller wollten sich selber sehen, das war ja Sinn und Zweck des Auftrags. Man hat ja früher sogar Ehen geschlossen aufgrund schöner Bilder von dieser oder jener Prinzessin, diesem oder jenem jungen General. Aus diesen Zwängen hat sich die Malerei längst befreit, und deshalb sind die Gesichter oft anonym.
Welche Rolle spielt dabei die Technik?
Früher wurde die Technik sehr groß geschrieben. Heute dominiert die Kreativität, wobei natürlich das technische Können bedeutsam geblieben ist. Sie ist das Werkzeug, das Rüstzeug, um der Kreativität eine freie Entfaltung zu ermöglichen.
Hatten Sie beim Kopieren Probleme mit dieser Freiheit?
Und ob! Hat man ein Gemälde erst einmal tagelang kopiert, kann man sich nachher so schwer davon freimachen! Immer wieder bin ich darauf zurückgefallen. Mit solchen Problemen schlägt sich jeder engagierte Maler herum. Malen ist Mühe.

red
ESA 04/08

 

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