Schlechte Noten für das Schulsystem

In diesem Monat beginnt in Portugal das neue Schuljahr. Altlasten der vergangenen Jahre erschweren den Unterrichtsbeginn. Ein Blick auf die Mechanismen der Schulen erzeugt Verwirrung

Acht von zehn Schülern, denen normale Lernfähigkeit bescheinigt wird und deren Zeugnisse dennoch schlecht waren, bekunden große Schwierigkeiten, den Methoden und Erklärungen ihrer Lehrer zu folgen. In über der Hälfte der Fächer, in denen Oberstufen-Klausuren geschrieben wurden, erreichte die Mehrzahl der Schüler Noten unter dem Durchschnitt. Die Chemiker-Gesellschaft SPQ fand in den Prüfungsfragen für Physik und Chemie Fehler und unklare Formulierungen. Eltern erwirkten im Streit um eine Wiederholung der Tests eine einstweilige Verfügung gegen das Bildungsministerium ­ die Prüfungen zählen für die Aufnahme an der Universität. Lehrerverbände kündigen für Oktober Streiks an: Das Ministerium führe Schulen ,,nach ökonomischen Prinzipien und missachtet Lehr- und Lerninhalte”, Lehrer seien zudem mit Papierkrieg und Konferenzen belastet, die mit Unterricht nichts zu tun hätten.

Bildungsministerin Maria de Lurdes Rodrigues hat derzeit ein schweres Amt zu führen. Nur ihr Vorgänger David Justino verteidigt sie: Die Kritik komme von den ,,Klageweibern vom Dienst”. Justino erinnert sich wohl an Beanstandungen während einer eigenen Amtszeit, denn Portugals Schulsystem krankt seit langem: Hinter dem scheinbar simplen Aufbau verbirgt sich ein unübersichtlich gewordenes bürokratisches Dickicht.
Das beginnt mit der Verteilung der Lehrer an die Schulen mittels landesweiter Stellenausschreibung für drei Jahre; wer für das Schuljahr keine Lehrerstelle bekommen hat, muss im nächsten Jahr erneut ins Rennen. Frisch von der Uni kommen die Pädagogen in ein nach Fachbereichen geordnetes System, in dem fortan eine komplizierte Punktevergabe unter Beachtung von Examensnote, Dienstjahren und Bonuspunkten aus beruflicher Weiterbildung und individueller Beurteilung die Karriere bestimmt. Meldet eine Schule Fachlehrer-Bedarf an, werden zuerst die Kollegen der oberen Listenplätze zugeteilt. Wer Glück hat oder ein personell schwach besetztes Fach unterrichtet, rückt nach einigen Jahren von der Landes- auf die Bezirksliste vor (sog. quadro de zona pedagógica; es gibt 23 Bezirke, darunter die Algarve) und kann seine berufliche Zukunft zumindest geografisch eingrenzen.

Bei sinkender Schüler- und steigender Pädagogenzahl werden freie Stellen an Schulen seltener und Lehrer, die auf Dauer einem Kollegium (sog. quadro de escola) angehören, ebenso. Aber die Zuständigkeit für bestimmte Schulprojekte oder die Wahl in einige Gremien der basisdemokratisch organisierten Schulen kann einem Lehrer ein vorläufiges Bleiberecht an einer Schule verschaffen, selbst wenn er nicht zum Stamm-Kollegium gehört: Als Relikt der Nelkenrevolution werden bis heute selbst die Schulrektoren durch Lehrer und Personal angegliederter Schulen gewählt.
Nach der Zuteilung geht das Durcheinander weiter: Schulen, die im Zentralverteiler keine Stelle für Fachlehrer ausgeschrieben haben, weil sie nur Teilzeit-Lehrkräfte brauchen, können dafür nun Personal aus dem Heer der nicht Zugeteilten per Vertrag für ein Jahr direkt beschäftigen. Für die Anrechnung des Schuljahres in ihrer Laufbahn müssen diese so genannten contratados aber 22 Wochenstunden unterrichten. So arbeiten sie an mehreren Schulen und nehmen oft lange Fahrten von Ort zu Ort in Kauf. Privilegiert sind dagegen Kollegen mit einem festen Platz im Kollegium: Machen sie Gründe geltend, können sie sich an eine andere Schule versetzen lassen, ohne dabei ihren Stammplatz zu verlieren. Nun muss Ersatz für die Versetzten her ­ ein internes Bäumchen-Wechsel-Dich der professores beginnt.
In Portugals Lehrerzimmern möchte niemand an Pisa-Studien erinnert werden. Bildungspolitiker führen Misserfolg und Antriebsschwäche vieler Schüler, Schulabbrecher und -schwänzer auf das instabile Gefüge der Lehranstalten zurück. Ministerin Rodrigues will durch mehr innerschulische Aktivität gegensteuern. Ab jetzt werden zunächst viele Grundschulen bis 19.30 Uhr geöffnet bleiben, das Spiel- und Lernangebot jenseits der Stundenpläne wird erweitert und auf die Ferien ausgedehnt.

Die allgemeine Schulpflicht beträgt in Portugal 9 Jahre, eine Erweiterung bis zur 12. Klasse ist geplant
Weiterführende Schulen ab der 10. Klasse:
· 3 Jahre cursos de carácter geral (entspricht in etwa der differenzierten Oberstufe) oder
· 3 Jahre cursos tecnologicos jeweils als Vorbereitung auf ein Hochschulstudium oder
· 3 Jahre cursos das Escolas Profissionais zur beruflichen Qualifikation 20

In der Algarve bieten verschiedene Privatschulen sich als Alternative zum portugiesischen Schulsystem an. Sie funktionieren nach Richtlinien, die in Portugal wie in ihrer Heimat anerkannt sind. ESA stellt die wichtigsten Einrichtungen vor

International School of the Algarve
Die Internationale Schule der Algarve ist eine portugiesische Privatschule mit einer ebenfalls privaten englischen Sektion, die von der Aktiengesellschaft ECUBAL (Empresa Cultural de Barros Brancos) betrieben wird. Der portugiezeitig für eine Unterrichtssprache entscheiden: Englisch oder Portugiesisch. Deshalb ist auch diese Schule, wie EAST, eher auf englisch-sprachige Kinder zugeschnitten. Deutsch wird nur als Fremdsprache angeboten.
Auch bei den Lehrinhalten gibt es Unterschiede. So steht bei der portugiesischen Abteilung die nationale Geschichte auf dem Lehrplan, während die Schüler des internationalen Zweigs sie eher aus mitteleuropäischer Sicht studieren.
The International School
of the Algarve,
Apt. 808, 400-400 Lagoa
Tel.: 282 342547
Fax: 282 353787
geral@eialgarve.com
www.international
schoolofthealgarve.com

Colégio Internacional de Vilamoura

Wie die Internationale Schule der Algarve, ist auch die von Vilamoura zweigeteilt: die Schüler können zwischen dem portugiesischen und dem englischen Lehrplan wählen. Beide jedoch mit einigen Anpassungen, um ein internationales Curriculum anbieten zu können. Das portugiesische System geht vom dritten Lebensjahr bis zur 12. Klasse und das englische von der Nursery bis zur 13. Klasse
Ziel des Kollegiums ist es, selbstbewusste, kritische und kreative Menschen heranzubilden und ihre sozialen Kompetenzen zu fördern.
Zu dem Angebot der Schule gehören auch Hausaufgabenbetreuung und verschiedene Einrichtungen, darunter Golf-, Tennis-, Schach-, Theater- und Segel-Clubs.
Colégio Internacional
de Vilamoura, Apt. 856,
8125-911 Vilamoura
Tel.: 289 30 32 80
Fax: 289 30 32 88 info@civ.com.pt
www.civ.com.pt

Eastern Algarve School at Tavira

In diesem Monat soll in Tavira die erste internationale Schule der Ostalgarve eröffnet werden. Träger der Eastern Algarve School of Tavira, auch EAST genannt, ist der Verein Associação da Escola do Sotavento Algarvio, dessen Mitglieder die Eltern, die Lehrer und die Mitarbeiter der Schule sind.
Die Unterrichtsinhalte sollen, mit einigen Anpassungen an das portugiesische Lernablauf, dem englischen Lehrplan entsprechen. Unterrichtet wird in Englisch und Portugiesisch. Den Schülern werden auch weitere Sprachen angeboten, darunter Deutsch, Französisch, Holländisch und Spanisch.
Ziel des Kollegiums ist es, Talent und Kreativität zu fördern sowie Selbstvertrauen zu entwickeln. Mit 7, 11 und 14 Jahren werden die Schüler der EAST die selben Tests bestehen müssen wie Schüler in England. Mit 16 Jahren das englische Examen General Certification of Education ablegen, das auch in Portugal Äquivalenz hat und mit 18 das International Baccalaureate, das weltweit eine Studienzulassung ermöglicht.
In den ersten zwei Jahren wird die Schule in einer Anlage nördlich der A 22 untergebracht sein und Schüler zwischen 4 und 14 Jahren aufnehmen. Später soll sie auf alle Altersgruppen erweitert werden.
Eastern Algarve School at
Tavira, Rua das Freiras 2,
8800-334 Tavira Mob.: 914 721 566
(Terence Payne)
terencepayne@hotmail.com
www.east-pt.com

Deutsche Schule Algarve

Etwa 80 Kinder besuchen die Privatschule DSA, die bis zur 10. Klasse geführt wird. Der Lehrplan orientiert sich, unter Beachtung der portugiesischen Vorgaben, an den Richtlinien des Freistaates Thüringen, so dass den DSA Abgängern sowohl die deutschen als auch die portugiesischen Gymnasien offen stehen.
Deutsch und Portugiesisch gehören zu den Hauptfächern. Zudem werden auch die englische und französische Sprache unterrichtet. Neben dem Vermitteln von Fachwissen legt die DSA auch großen Wert darauf, die soziale Kompetenz sowie individuelle Fähigkeiten der Schüler zu fördern.
In dem im Juni neu eröffneten Gebäude bietet die DSA nun auch an drei Tagen der Woche Nachmittagsbetreuung mit Hausaufgabenzeit, freiem Spiel und thematischen Angeboten an. Arbeitsgemeinschaften in den Bereichen Theater, Musik, Multimedia runden das Angebot ab.

Deutsche Schule Algarve,
Sítio do Lobito,
8300 Silves
Tel.: 282 419 104
Fax: 282 419 104
Infos und Terminabsprachen
unter Mob.: 965 667 257
mail@ds-algarve.org
www.ds-algarve.org

ESA 09/06

 

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