0603 Telecom

TELECOM

Eine starke Verbindung
Der Sonae-Konzern will für rund 11 Milliarden den knapp fünfmal größeren Ex-Monopolisten Portugal Telecom (PT) übernehmen. In Portugal wäre es die größte Übernahme in der Geschichte des Landes, mit weit reichenden Folgen
wendet, benötigt das Unternehmen zusätzlich Bares. Belmiro de Azevedo arbeitet mit der spanischen Großbank Santander, was in Medien und Bevölkerung die Diskussion um einen Ausverkauf Portugals an das Nachbarland anheizte. Analysten vermuten, Belmiro könnte Teile seines Besitzes veräußern, um den Deal zu realisieren: Im Gespräch ist die Mobilfunk-Firma Optimus. Als möglicher Käufer wird France Telecom genannt, sie hält 23,7 Prozent an Sonaecom. Sollte Belmiro die PT erwerben, erhielte er auch deren Mobilfunk-Unternehmen TMN, das etwa die Hälfte des heimischen Handymarktes bedient. Für den Fall, dass TMN und Optimus in eine Hand gelangen könnten, interessiert sich das Kartellamt. Trotz zahlreicher Varianten, von denen keine geklärt ist, hat Belmiro de Azevedo mit seinem Paukenschlag die Akteure in Wirtschaft und Politik geweckt. Schon denke die Banco Espirito Santo (BES), der 8,5 Prozent der PT-Aktien gehören, über ein Gegengebot nach, schrieb das Jornal de Negócios. Einer der BESVerbündeten soll Patrick Monteiro de Barros sein: Der Fabrikant aus der Erdölbranche war im Juli aufgefallen, als er der Regierung Pläne für ein privat finanziertes Atomkraftwerk vorlegte. Premier José Sócrates lehnte ab, nun könnte Barros’ Geld andere Energie freisetzen. Auch Sonae-Chef Belmiro bereitet Sócrates Unbehagen. Die Regierung werde ,,den Vorschlag prüfen und zu gegebener Zeit und am passenden Ort Stellung nehmen”. Der Großindustrielle Belmiro, Sohn eines Schreiners, kam unter den 500 reichsten Männern der Welt in der Liste des US-Wirtschafts-Magazins Forbes auf Platz 387. Er sah sich stets gern als Wirtschaftslenker jenseits aller Politik. Sein Coup könnte das System aufmischen: Heute darf ein Einzelinvestor bei der PT höchstens 10 Prozent der Stimmrechte halten. Bei einer Übernahme will Belmiro dies wie auch die Goldene Aktie der Regierung (ein Anteil, mit dem der Staat strategische Entscheidungen bei PT blockieren kann) abschaffen. Und Belmiro könnte dem spanischen Telefon-Konzern Telefónica einen Gefallen tun ­ der besitzt schon fast ein Zehntel der Anteile an der portugiesischen Telecom und ist seit Langem an mehr interessiert. Das Ringen um die Kronjuwelen der portugiesischen Wirtschaft geht in die nächste Runde.
Henrietta Bilawer

Mit einem ,,einfachen und doch ambitionierten” Ziel stellt sich Sonaecom, ein Ableger des Sonae-Konzerns des Milliardärs Belmiro de Azevedo, auf seiner Web-Seite vor: Er will ,,der beste Service-Anbieter in der Telekommunikation in Portugal” sein. Zu diesem Zweck greift Belmiro, der 53,1 % der Sonae-Anteile hält und Herr über Modelo, Continente, Kinos und Einkaufszentren, Industrie- und Telekommunikations-Unternehmen wie Optimus und Novis ist, nun nach der Telecom (PT). Der 67-jährige Magnat sieht sein Kaufangebot als ,,größte Herausforderung meines Lebens”. Gemessen an der Größenrelation sei das Angebot wie ein Versuch von Arcor, die Deutsche Telekom zu übernehmen, vergleicht ein Analyst der WestLB.
Belmiro de Azevedo greift nach der Telecom

Foto: Lusa

Belmiro de Azevedo hat mit seinem Paukenschlag die Akteure in Wirtschaft und Politik geweckt

Wirtschafts-Experten betonen, der Telefonriese, der mit dem Slogan ,,Eine starke Verbindung” wirbt, sei auch nach der Auflösung seiner Monopolposition wegen viel Bürokratie und wenig Strategie ein schwaches Glied in der Wirtschaftskette. Dennoch verblüffte Belmiro de Azevedo. Am wenigsten hatte die Telecom selbst mit dem Angebot gerechnet und spricht vom ,,Versuch einer feindlichen Übernahme”, das Angebot sei nie erbeten worden. Sogleich wurden drei Anwalts-Sozietäten beauftragt, einen juristischen Schutzwall gegen Belmiro zu ziehen. Der möchte für die 1,3 Milliarden PT-Anteile 9,50 pro Aktie zahlen, keinen Cent mehr, so die Sonae-Zentrale. Der Telefon-Konzern wehrt sich: Das Gebot liege unter dem Wert der PT. Und die überwiegend schuldenfinanzierte Übernahme könne den Zusammenbruch des Unternehmens zur Folge haben, fürchtet PT-Chef Miguel Horta e Costa. Er warnte PT-Aktionäre vor Euphorie angesichts kurzfristig zweistellig steigender Aktienkurse. Selbst wenn Sonae den eigenen Cash-Flow von jährlich 9 Mrd. für die Übernahme ver-

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ESA 03/06

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