0510 Sp Online-Wetten

SPORT

Der nicht ganz legale K(l)ick
Portugal kennt ein staatliches Monopol auf Sportwetten und Glücksspiel, die Lizenz besitzt die öffentliche Wohltätigkeitsorganisation Santa Casa da Misericórdia. Die Fußball-Liga unterläuft die Bestimmungen durch einen Sponsorenvertrag mit einem Internet-Wettbüro
Foto: Lusa

Valentim Loureiro, Präsident der Fußball-Liga (re.), und Manfred Bodner, Co-Vorstand von Betandwin, bei Unterzeichnung des Sponsorenvertrags

Die BETandWIN.com Interactive Entertainment AG, ,,führender Anbieter von Online-Gaming-Produkten in Kontinentaleuropa” existiert seit 1997, möchte weltweit Nr. 1 für Internet-Sportwetten und -Spiele werden und ist seit 2000 an der Wiener Börse notiert. Lizenzen wurden in Österreich, England, Gibraltar und Deutschland erteilt. Betandwin und ihre Partner- und Tochterfirmen betreiben u.a. Sportwetten (tägl. über 4.000 Tipps in 40 Sportarten) und rund 30 Casinospiele über Internet und Mobiltelefon.

Wer meint, es besser zu wissen, schließt Wetten ab. Basierend auf sportfixierter Rechthaberei entstanden 1921 in England die ersten TotoGemeinschaften. 1934 zog Schweden mit dem ersten staatlichen Unternehmen für TotoWetten nach. Die Hälfte der Wett-Einnahmen wurde wieder an die Wettfreunde ausgeschüttet, der Rest floss in gemeinnützige Projekte. In Deutschland kam die Sportwette nach dem Zweiten Weltkrieg zur Finanzierung der Sportförderung auf. Nur die gemeinnützige Organisation Santa Casa da Misericórdia de Lisboa (SCML) hat in Portugal die Lizenz für Wett- und Glücksspiel. Aus den Einnahmen werden soziale Dienste bezahlt und ein Teil der Erlöse aus der ,,Totobola”-Fußballwette sollte nach Vereinbarungen mit dem Fiskus zur Tilgung von Steuerschulden der Fußball-Liga verwendet werden (s. ESA 2/05). Mit Raspadinha, Loto2, Totoloto und Euromilhões entstanden dann neue Lottospiele, die nicht nur Abwechslung ins Spiel bringen sollten: Sind die Einnahmen auf mehrere Töpfe verteilt, gehen kleinere Raten ans Finanzamt. Nun hat die Liga einen neuen Partner: Zu Beginn der Saison wurde das InternetWettbüro betandwin präsentiert ­ als Sponsor mit vierjähriger Vertragsdauer. Die Partnerschaft scheint den Ligabossen so genial, wie sie juristisch umstritten ist. In der Heimat von betandwin gibt es kein staatliches Spiel-Monopol, aber in Portugal besitzt der Staat den Alleinanspruch auf Sportwetten und keine im Land ansässige Firma außer der SCML darf dieses Gewerbe betreiben. Auch Werbung darf nur für Lotto, Toto und andere Gewinnspiele der SMCL gemacht werden, so Artikel 21 des Gesetzes über die Werbung. Das Internet mischt nun die Szene auf: Es agiert im virtuellen Raum. Die SCML behält sich juristische Schritte vor, wie ihr Sprecher Paes Afonso bekräftigt. Er ist damit nicht alleine: In Deutschland sind auf-

grund des Glückspielmonopols nur Sportwetten der staatlichen Lotteriegesellschaften im Deutschen Lotto- und Totoblock legal. Betandwin nutzt eine Rechtslücke: Das Unternehmen besitzt eine in der DDR erteilte Lizenz aus dem Jahr 1990, deren Gültigkeit geprüft wird. Auch in Holland prozessiert die staatliche Lotterie gegen den Internet-Buchmacher. Zu den Verlockungen im Netz meint SMCLSprecher Paes Afonso, nicht nur die FußballLiga betreibe illegales Glücksspiel: Jeder Portugiese, der bei betandwin spiele, mache sich ,,strafbar, denn der Verstoß gegen das staatliche Glücksspielmonopol gilt für Buchmacher und Spieler”. Der Kick beim Klick im Internet benachteilige die staatliche Wohlfahrt, die zu einem erheblichen Teil durch die Wetteinnahmen der SCML getragen werde, denn das Spiel-Geld geht ins Ausland. Analysten in Portugal sehen in dem Coup der Fußball-Liga einen Racheakt. Die Vereinsbosse warfen der SMCL vor, sie vernachlässige die totobola-Wetten; immer weniger Gelder aus diesen Wetten flossen an die Vereine. Nun greift die Liga bei betandwin in den Topf. Schnell wurde eine Webseite in portugiesischer Sprache eingerichtet. Die Offiziellen der Liga verweigern jede Stellungnahme zur unpatriotischen Abwanderung von Tipp-Gemeinschaften ins Internet-Wettparadies: Betandwin verspricht alle 60 Sekunden eine Gewinnausschüttung. Über die Gewinne schweigen sich die Vertragsparteien gleichfalls beharrlich aus. Insider vermuten, betandwin habe der Liga 10 Millionen pro Werbejahr gezahlt. Einige Vereine, etwa Sporting Lissabon, setzten die schwarzgelbe betandwin-Bandenwerbung in ihren Stadien zeitweise aus, andere träumen von ganz unerschlossenen Geldquellen: Pferdezüchter und -Besitzer warten auf ein neues, liberales Wettgesetz, damit auch in portugiesischen Hippodromen auf Platz und Sieg gesetzt werden kann.
Text: Henrietta Bilawer, Foto: LUSA

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ESA 10/05

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