Companhia das Culturas

Zwischen Strand und Naturschutzgebiet und nahe der historischen Stadt Castro Marim gelegen, blickt die Landtourismusanlage Companhia das Culturas selbst auf eine lange Geschichte zurück

Die Quinta, die seit 2008 unter dem Namen Companhia das Culturas als Landtourismusanlage fungiert, ist seit fünf Generationen in derselben Familie. Heute steht sie unter der Leitung von Francisco Palma Dias, der sie von seinem Vater, dem in der Ostalgarve bekannten und beliebten Arzt Dr. Dias, erbte. Doch statt weiterhin exklusiv auf die Landwirtschaft zu setzen, renovierten Francisco Dias und seine Frau Eglantina Monteiro einige Gebäude und eröffneten das kleine Landtourismushotel, das sich ideal für naturbezogene, romantische Aufenthalte eignet. In den 1960er Jahren, als das 40 Hektar große Landgut noch Dr. Dias gehörte, waren viele Menschen aus der Umgebung hier beschäftigt. Auch viele junge Mädchen aus der Serra, oft nicht älter als 14 Jahre alt. Das Leben in den Dörfern der Serra war hart, viele Paare hatten fünf bis sieben Kinder und Schwierigkeiten, alle zu ernähren. Die Ältesten mussten das Haus der Eltern früh verlassen, für sich selbst sorgen und oft auch noch die Familie unterstützen. Von morgens bis abends waren sie auf den Feldern tätig. Die Arbeit war hart, aber am Ende des Tages konnte es auch sehr laut und lustig zugehen. Schließlich waren es Jugendliche unter sich. Heute ist Ruhe eingekehrt. Bei Companhia das Culturas sollen Gäste die Seele baumeln lassen. Dort, wo sich einst junge Mädchen abends über ihre ersten Liebe unterhielten und eventuell mit etwas Heimweh auch weinend einschliefen, befinden sich nun die Gästezimmer. Sechs Doppelzimmer und zwei Suiten, bei denen der für die Renovierung zuständige Architekt Pedro Ressano Garcia die hohe Decke der traditionellen Bauten nutzte, um eine Mansarde einzuziehen. Im oberen Teil ist das Schlafzimmer, unten ein kleines Wohnzimmer und Bad. Die Einrichtung besteht aus liebevoll restaurierten Möbeln, die größtenteils aus den 50er und 60er Jahren stammen. Heute wie damals sind die Wände weiß gekalkt und strahlen in der Sonne. Wo einst die Oliven zur goldenen Flüssigkeit gepresst wurden, die in der Algarveküche stets präsent ist, befindet sich nun ein gemütlich eingerichteter Gemeinschaftsraum, in dem verschiedene Sitzecken zum Verweilen einladen und eine kleine Bibliothek sowie eine Bar zur Verfügung stehen. Ein Fernseher ist weder hier noch in den Zimmern zu finden. Gegenüber liegt der Speisesaal. Auch hier ist die Dekoration ein gelungenes Patchwork aus renovierten Möbeln, die eine rustikal- gemütliche Atmosphäre schaffen. Im Essraum hängen verschiedene getrocknete, essbare Produkte von der Decke, die alle auf dem Grundstück des Landgutes wachsen; eine Übersicht dessen, was hier frisch vom Land direkt auf den Tisch kommt. Was nicht auf dem eigenen Grundstück wächst oder gezüchtet wird, kauft Eglantina bei lokalen Bauern. Zudem benutzt sie in der Küche auch wilde Pflanzen, die in der Gegend immer ein Teil der Esskultur waren, aber in Vergessenheit geraten sind. Der alte Lagerraum ist seit kurzem die „Korkbox“, ein komplett mit Kork ausgelegter Raum, in dem Yoga und Tai Chi sowie Tanzunterricht stattfinden. Nicht nur für Gäste, sondern für die gesamte Gemeinde. Die Anlage ist stets in Entwicklung. Derzeit werden die CC- Apartments und das CC-Hamam gebaut; vier Apartments mit Schlaf- und Wohnzimmer, Kitchenette und Bad, die bis Ende dieses Jahres eröffnet werden sollen, und daneben ein traditioneller Hamam, von denen es während der islamischen Besetzung viele in der Region gab, doch die nach der christlichen Rückeroberung geschlossen und verboten wurden. Die Öle und Essenzen für die Dampfbäder werden die von François Goris sein, einem Belgier, der seit zirka fünf Jahren bei Mértola lokale Pflanzen für die Herstellung von Ölen nutzt. Für die Seifen aus Feigen, Orangen und Aprikosen kooperiert Companhia das Culturas mit Terra Amada, eine Permakultur-Farm im zirka 7 km entfernten Ort Beliche bei Junqueira. Ebenfalls geplant sind der Bau einer Rezeption, vier weiterer Suiten und eines kleinen Ladens, in dem die auf dem Landgut hergestellten Produkte wie Marmeladen, Chutneys, Essig oder getrocknete Früchte verkauft werden sollen. Dafür werden demnächst die Ruinen links vom Eingang renoviert. Dort, wo früher der Kuhstall stand, ist heute eine Art Designerbüro eingerichtet, die CC Fabrica. Hier verleiht Vilma André, die seit einem Jahr im Team ist, alten Möbeln ein neues Leben oder entwickelt neue, wie z.B. eine Lampe aus Schilfrohr. Das Gebäude soll aber auch Künstlern und Designern, die sich hier zurückziehen und sich inspirieren lassen wollen, als Arbeitsraum dienen. Das gesamte Konzept der Anlage basiert auf Nachhaltigkeit, Wiederverwertung und enger Zusammenarbeit mit der Gemeinde, auf Respekt für die lokalen Traditionen und Kultur, gepaart mit modernem Design. Ein Plus der Anlage ist definitiv auch seine Lage direkt am Naturschutzgebiet von Castro Marim und Vila Real de Santo António; zirka 2 km von den Salinen von Castro Marim entfernt, die jährlich Abertausende Zugvögel anziehen und ein Traum für Vogelbeobachter sind; zirka 3 km von der historischen Stadt Castro Marim, deren Burg, die einst der Hauptsitz des Santiago-Ordens war, und deren Festung; sowie zirka 2,5 km von dem unendlich langen, feinsandigen Strand von Praia Verde und einem der letzten Pinienwälder an der Algarve-Küste. Um all dies zu Fuß oder per Rad zu entdecken, liegen in den Zimmern Karten mit sieben Wandertipps aus, die zu den nahe gelegenen Salinen, nach Castro Marim und auch bis nach Cacela Velha führen.

Anabela Gaspar

ESA 06/14

Share.

Comments are closed.