Aldeia da Pedralva

Ein Dorf als einzigartiges Domizil

Das 10 km nördlich von Vila do Bispo gelegene Dorf Pedralva erwachte 2010 erneut zum Leben. Vier Lissabonner kauften praktisch alle Häuser, renovierten sie und eröffneten die Landtourismusanlage Aldeia da Pedralva

Ende der 1990er Jahre war Pedralva ein verschlafenes, kleines Dorf in einem Tal inmitten der Hügel des Naturparks Sudoeste Alentejano e Costa Vicentina. Die meisten Bewohner waren verstorben, ihre Kinder und Enkelkinder zogen an die Südküste, nach Lissabon oder gar ins Ausland, ihre Häuser waren dem Zerfall überlassen. Heute ist der Ort fast nicht wiederzuerkennen. Unter Berücksichtigung des traditionellen Charakters wurde er modernisiert. Drei Straßen durchqueren das an einem leichten Hang gelegene Pedralva: die Obere, die Mittlere und die Untere, wie sie der Einfachheit halber genannt werden. In den schmalen, mit Schieferstein und portugiesischer Calçada ausgelegten Gassen reihen sich kleine traditionelle Häuser, die weiß gekalkt im Sonnenschein strahlen. Ihre Türen und Fenster sind abwechselnd blau, rot oder grün gestrichen. Die Häuser sind nach Stränden und Orten der Umgebung benannt, etwa Baleeira, Zavial oder Carrapateira. Hier und da blüht Oleander, und Olivenbäume werfen Schatten auf die Plätze. Einer der Plätze liegt mitten im Dorf und ist mit zwei langen Holztischen und Bänken sowie einem Holzofen und zwei Grillplätzen ausgestattet. Ein weiterer kleiner Platz daneben beherbergt den Dorfbrunnen, der einst wohl der Treffpunkt der Gemeinde war. Abends werden die Gassen von Straßenlaternen im Retrostil ausgeleuchtet. An manchen Türschwellen sitzen heute wie damals Frauen, die sich unterhalten. Doch sie sprechen mit Lissabonner Akzent, oft auch Deutsch, Spanisch oder Englisch. Das Dorf ist belebt. Eventuell belebter als es jemals war. Fast könnte man es als kosmopolitisch bezeichnen. Doch es bewahrt die familiäre Atmosphäre, die früher in den Dörfern herrschte. Ein Zeichen dafür ist unter anderem, dass Türen und Fenster stets offen stehen. Die Häuser sind klein und einfach, aber gemütlich eingerichtet. Jedes Haus hat eine ausgestattete Küche. Die nächsten Einkaufsmöglichkeiten liegen zirka 8 km entfernt. Fernseher oder Radio gibt es nicht, denn hier geht es darum, sich wie früher auf dem Land zu fühlen. Dafür gibt es im gemütlich eingerichteten Gemeinschaftsraum und im Café an der Rezeption kostenloses Wi-Fi und viele Bücher und Brettspiele zum Ausleihen. Zudem gibt es einen Pool mit Blick auf die grünen Hügel und jede Menge Möglichkeiten, seine Freizeit zu gestalten, denn die Betreiber haben Partnerschaften mit vielen Freizeitanbietern aus der Umgebung. Man kann direkt an der Rezeption Surf- oder Tauchunterricht sowie Wanderungen und Esel- und Reitausflüge buchen. Zudem gibt es in der Anlage einen Radverleih. Treffpunkt ist heute die Terrasse des Cafés an der Rezeption. Nicht nur die Gäste verweilen hier, sondern auch die letzten sechs Einheimischen von Pedralva und viele Bewohner der umliegenden Dörfer. Außer der Café-Bar verfügt die Anlage über ein Restaurant und eine Pizzeria. Letztere ist eine der bekanntesten und beliebtesten der Region und eventuell auch der Grund, weshalb es heute die Landtourismusanlage gibt. António Ferreira und seine Familie verbrachten die Urlaube stets in Carrapateira und waren Stammgäste der Pizzeria in Pedralva. António gefiel die Lage des Dorfes, das damals lediglich eine Ansammlung von Ruinen war, und kam auf die Idee, die Häuser beziehungsweise das ganze Dorf zu renovieren und eine Landtourismusanlage zu eröffnen. Ihm schlossen sich seine Freunde Diogo Fonseca, Luís Neiva und Teresa Beja an. Es war keine einfache Aufgabe, die über 220 Eigentümer und Erben der einstigen Bewohner ausfindig zu machen, um ihnen die Häuser abzukaufen. Die bürokratischen Hürden waren enorm und dauerten eine Ewigkeit. Ein Haus nach dem anderen wurde dann nach den traditionellen Baumethoden und mit ursprünglichen Materialien renoviert. 24 Einheiten stehen zur Verfügung, weitere sollen renoviert werden. Das Ergebnis: Ein einzigartiges Domizil, ein portugiesisches Musterdorf.

Anabela Gaspar

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